15.12.14

Trotz? Eine Begriffsbestimmung

Meine Tochter trotzt. Oh, wie ich dieses Wort hasse! Trotz, das ist das naseweiße Aufbegehren gegen eine gottgegebene Ordnung. Trotz, dieses Wort, das den Fokus immer nur auf die verletzte Eitelkeit des Erwachsenen legt, stammt direkt aus der schwarzen Pädagogik. 
Meine Tochter erkennt vielmehr, dass sie einen Willen hat, und ein Recht darauf, diesen Willen durchzusetzen. Ganz richtig beschreibt Jesper Juul die "Trotzphase" als Autonomiephase. Wunderbar, denn ist es nicht unser Ziel, autonome, selbstbewusste Kinder erziehen? Ich bin stolz, dass meine Tochter einen eigenen Willen hat, und ich möchte sie dabei unterstützen, ihren Willen in ein gemeinsames Miteinander zu integrieren.


Meine Tochter testet Grenzen aus. Noch so ein Wort, bei dem sich meine Zehennägel einrollen. Grenzen - brrr.... Wenn man sagt, ein Kind braucht Grenzen, dann ist damit doch meist gemeint, ein Kind muss gehorchen lernen, wenn die Eltern etwas sagen. Nun ist aber Gehorsam das Gegenteil von Autonomie (siehe oben). Einem Kind in der Autonomiephase Gehorsam aufzuzwingen kann nur nach hinten losgehen.
Natürlich ist es so, dass meine Tochter (und vermutlich auch andere Kinder) schaut, wie ich auf ihre Handlungen reagiere. Wie ich reagiere, wenn sei weitermacht, auch wenn ich "Nein" gesagt habe. Sie testet keine Grenzen, sie testet meine Authentizität! Wieder legt die Terminologie den falschen Fokus: Es geht nicht darum, dass sie renitent gegen Grenzen verstößt, um mich herauszufordern. Sie will wissen, wer ich bin, es geht um meine Souveränität! Sie will von mir wissen, ob ich ehrlich und kohärent bin. Ob sie vor mir wirklich Respekt haben sollte, ob sie meine natürlich Autorität anerkennen kann, oder ob ich ein Popanz bin, große Klappe und nichts dahinter.
Ein Beispiel: Meine Tochter sitzt auf ihrem Stühlchen, der Mülleimer für den Plastikmüll unter dem Tisch ist in perfekter Nähe zu ihren Füßchen.
"Boms, dagegen treten. Toll, was für ein lautes Scheppern. Mama lächelt, findet das auch lustig, gut, ich mach noch mal! Boms, boms, lauter, BOMS, BOMS, B-O-M-S!"
Das finde ich nun nichtmehr lustig. Ich schaue meine Tochter an, sage ihr: Ich möchte nichtmehr, dass Du dagegentrittst. Entweder, du hörst auf, oder ich nehm dich vom Stühlchen.
--- BOMS!
Also nehme ich meine Tochter vom Stühlchen, und setz sie auf den Boden. Sie läuft los, holt ihre Puppe und gemeinsam ziehen wir der Puppe das Kleidchen an. So einfach geht das.


Das klappt natürlich nicht immer so gut. Manchmal protestiert sie heftig, wenn ich sie aus der Situation nehme, dir mir nicht gefällt. Und ich muss auch sagen, dass ich nicht immer schnell genug reagiere. Ich neige dazu (wie so viele Mütter-Generationen vor mir, mein Gott, wo kommt diese Unsitte überhaupt her?), sie zwei-, drei-, viermal zu fragen (oder "ermahnen"), bevor ich selbst aktiv werde. Dieses mehrmalige Ermahnen aber ist total kontraproduktiv. Anstelle einer echten Alternative stellt es einen Leerlauf dar, ein Hiatus der Unsicherheit, in dem das Kind nicht weiß, was Sache ist, und ich nicht weiß, wie ich weitermachen soll. Ich habe da sicherlich noch Verbesserungsbedarf. Wenn aber meine Tochter verstanden hat, was ich ihr sage, welche Alternativen sie hat und ich dann sofort und kohärent reagiere, gibt es auch meistens kein Problem.

Meine Tochter will alles selber machen. Von Eltern und Verwandten meist liebevoll belächelt ("Schau mal, wie süß, der kleine Otto zieht sich die Unterhose über den Kopf!"), um sodann von den bemühten Erziehern korrigiert zu werden. Doch es ist mehr als "Ich will das alleine machen". Jesper Juul schenkt auch hier wieder eine neue Perspektive: Das Kind möchte anerkannt werden, als jemand, der einen individuellen Beitrag zur Gemeinschaft leisten kann, durch seine eigene Persönlichkeit. Das drückt sich zunächst dadurch aus, dass es alles das machen will, was auch die "Großen" machen: Abwaschen, die Wäsche aufhängen, Bücher lesen, am PC rumtippen, Schuhe anziehen. Aber im Endeffekt geht es darum, den eigenen Platz im Miteinander zu finden.
Das Wichtigste, was ich dabei machen kann, ist, meine Tochter wirklich zu integrieren und ihre Bemühungen wirklich ernst zu nehmen. Kein "Ich mach das schnell für Dich", kein "pass auf, pass auf, sei ja vorsichtig!", kein: "nein, so macht man das nicht, lass mich das machen". Es klingt so einfach, aber es ist doch so schwer: Nur, wenn ich mein Kind ernst nehme, kann ich auch erwarten, dass mein Kind mich ernst nimmt.



Fazit: Die landläufigen Begriffe über die gefürchtete Trotzphase könnten fehlleitender nicht sein. Eigentlich müsste es so heißen:


Trotz = Autonomie

Grenzen testen = Authentizität testen
Selber machen = Sich in die Gemeinschaft integrieren.

Auch, wenn die "Trotzphase" durch neue Begrifflichkeiten weder schneller noch einfacher verläuft - meine Einstellung ändert sich, und dadurch die Art des Zusammenseins.  

09.12.14

Ordnung, Rhythmus, Struktur - Eine verfrühte Liste mit guten Vorsätzen

Ich war nie sonderlich ordentlich, habe es nie gelernt. Meine gesamte Familie ist mehr der Typ chaotisch-charmant. Liebenswert, ohne Frage, aber strukturiert? Nicht im Geringsten. Schon immer habe ich mich mehr so durchgewurschtelt, ob in der Schule, im Studium, im Umgang mit Behörden. Aber vor allem auch beim Aufräumen.





Bis zu einem gewissen Grad hat ein etwas Chaotie ja ihren Reiz. Kein Mensch mag klinisch-sterile Räume, Leben heißt Dynamik. Doch wie viel davon ist noch auszuhalten? Wie viel Unordnung ist Chaos? Und auf der anderen Seite, wie viel Struktur ist Stillstand?


Mein Mutter-Sein hat mir auch hier mal wieder neue Einsichten geschenkt. Meine Tochter liebt, wie jedes Kind, Rhythmen und Rituale. Nach dem Frühstück gehen wir raus, egal ob in die Kita oder spazieren oder einkaufen - Nach dem Mittagessen geht sie schlafen - Und so weiter, und so fort.


Doch nicht nur Abläufe sind geordnet, auch die Räumlichkeit gehorcht einer gewissen Struktur. Bücher gehören ins Regal - Töpfe gehören ins Fach unter die Schüsseln - Bananen liegen in der Obstschüssel - Das Töpfchen steht im Bad. Ordnung ist hier mehr als Aufgeräumtheit, es ist der Lebensraum selbst, der dadurch überhaupt erst verstehbar wird.




Das Gleiche gilt auch für die Ordnung in meinen vier Wänden. Es heißt, der schönste Schmuck für einen Raum ist Ordung. Warum? Weil wir Menschen Klarheit lieben. Wir brauchen Übersicht, Struktur, Klarheit. Ja, wir brauchen äußere Strukturen, damit die innere Unstrukturiertheit besser zu ertragen ist.
Ich will ehrlich sein: Ich habe das Gefühl, ein Don Quixote des Aufräumens zu sein. Ich räume einen Raum auf, und kaum nutze ich (oder wir) ihn wieder, schwupps, ist er wieder gewohnt chaotisch unordentlich. Ich spüre in mir eine merkwürdige Gleichgültigkeit gegenüber den Dingen, die ich benutze. Es ist mir egal, wo sie liegen, wenn ich sie nicht benutze, und es ist mir insbesondere egal, wenn sie noch rumliegen, wenn ich sie benutzt habe. Daraus folgend ist Ordnung ein sekundärer Prozess, der nachträglich geschaffen werden muss. Die Nutzung von Gegenständen und deren Wegräumen hängen für mich nicht inhärent zusammen. Oder noch krasser ausgedrückt: Die Nutzung der Wohnung und deren Ordnung hängen für mich nicht zusammen. Es ist interessant und beschämend zugleich, mir das einzugestehen.



Ich will versuchen, ordentlicher zu sein. Oder besser: strukturierter, organisierter! Denn irgendwo am Ende der ganzen Gedankenschieberei sagt ein kleines Männchen zu mir: Wie willst Du jemals einen Selbstversorger-Hof wuppen, wenn Du nichtmal Deine kleine Wohnung in Ordnung halten kannst? Und verdammt, das kleine Männchen hat Recht!

Es ist die Notwendigkeit der äußeren Umstände, der natürlichen Rhythmen, denen ich gehorchen lernen will. Tief in mir drin spüre ich, dass es falsch ist, sich ständig durchzumogeln. Dass es nicht richtig ist, wenn man denkt, für mich gelten die Gesetze der anderen nicht (zB Abgabefristen in der Bücherei...!). Ist es nicht gerade dieser Impuls, der mich Marmelade kochen und Socken stricken lässt, der mich alte Handarbeiten wieder entdecken und den Weißkohl einwecken lässt? Es ist der Wunsch, sich der "großen" Ordnung anzupassen. Lebensmittel zubereiten und Kleidung herzustellen, weil wir sie brauchen, und sie eben nicht von der Stange zu kaufen. Schnell, billig, sofort verfügbar eine quick-and-dirty Lösung für unsere essentiellen Bedürfnisse. Wir tun so, als wären wir über all unsere Bedürfnisse, über den Wertstoff-Kreislauf und die Jahreszeiten erhaben. Wir mogeln uns durch! Kein Wunder, dass wir uns irgendwie falsch und unecht anfühlen.


Ich will mich nicht mehr durchmogeln. Und, wie schon gesagt, im Kleinen muss es beginnen...


07.12.14

Sonntagsfreude - Neues, Helles, Frisches


Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken... die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine Sonntagsfreude sind.

nach einer Idee von kreativberg


Auch wenn das Wetter grau und kalt, die Tage kurz und dunkel sind, zieht überraschend viel Helles, Neues, Freundliches in unsere kleine Wohnung ein. Manches Neue ist schon uralt und lange im Familienbesitz, wie zum Beispiel der kleine Mönch, der ganz verträumt duftenden Rauch verschmaucht...


Zusammen mit den Engelchen aus Bronze, die ich vor langer Zeit von meiner Mutter zum Nikolaus geschenkt bekommen habe, steht der kleine Mönch auf unserem Jahreszeiten-Fensterbrett, das sich heute endlich weihnachtlich herausputzen durfte. 


Der Wochenmarkt versorgt uns auch im Winter mit frischem Obst und Gemüse,


...so dass  auf dem Herd ein Eintopf  aus frischem Gemüse köcheln kann - definitiv eine Sonntagsfreude :)

Das Teeregal hat einen wohlverdienten, lang ersehnten Winterputz erhalten. Alte Gläser, neu beschriftet, präsentieren allerlei Gutes gegen Krankheit und schlechte Laune. 

Im Flur warten die Plätzchendosen auf neues Futter - und wir mit ihnen. Heute, wenn es dunkel geworden ist, nach einem erfrischenden Spaziergang, wollen wir Plätzchen backen.


Wir entzünden die zweite Kerze am Kranz, singen Adventslieder, trinken warmen Tee und genießen die letzen, innigen Stunden des zweiten Advents. 








01.12.14

Adventsfreuden

Viel ist geschehen in dieser Woche, Deadlines auf der Arbeit, Adventsvorbereitungen, die Handwerker waren auch noch mal kurz da. So habe ich es nicht geschafft, meine Sonntagsfreue gestern bei kreativberg zu posten. Ich hatte aber trotzdem Sonntagsfreuden, das auf jeden Fall!
Wir haben es gestern trotz allem geschafft, ein paar ruhige, besinnliche Momente zu genießen.

Den Adventskranz binden...




Plätzchen backen...




... und naschen...


Abends dann den Kranz entzünden und Lieder singen....









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