28.01.15

Fehler beim Backen mit Sauerteig I

Meine Vorsätze fürs neue Jahr bestanden ja darin, dass ich mir gewisse alt-handwerklichen Fertigkeiten aneignen wollte, und Brotbacken steht ganz oben auf der Liste. Unverzagt habe ich daher vor 4 Wochen meinen ersten Sauerteig angesetzt. In völliger Unkenntnis habe ich das erste Rezept herausgepflückt, das mir unter die Nase kam. Aus diesem Buch stammt es: Handbuch für Selbstversorger vom Packpapierverlag. (Ein ganz zauberhaftes Buch, nebenbei gesagt, hab ich mal vor Jahr und Tag in dem Eine-Welt-Laden in Leipzig gekauft.) Dort stand im Groben das, was bei allen anderen auch steht, nämlich: 100g Mehl mit 100g Wasser mischen und bei Raumtemperatur stehen lassen. Bei meinem Rezept stand noch, man solle ein paar Tropfen Honig hinzugeben, das ist aber gar nicht nötig. Nach 24 Stunden nochmals 100g Mehl + 100g Wasser hinzugeben, wieder stehen lassen. Am dritten Tag das Ganze wiederholen und am vierten Tag hat man 400g Sauerteig.

Führung des Sauerteiges

Soweit die Theorie. Also habe ich genau so angefangen. Ich habe, in Ermanglung eines höherwertigen Mehles, ganz normales Weizenmehl genommen, wie man es auch zum Kuchenbacken nimmt. (Funktioniert tadellos, übrigens.) Der Brei hat über die Tage hinweg auch schön angefangen zu riechen und nach vier Tagen versuchte ich mein erstes Brot.
Ebenfalls nach dem Rezept aus meinem Packpapierbuch habe ich einen Teig zusammengerührt (nicht ohne vorher ein paar Esslöffel abzunehmen und im Schraubglas in den Kühlschrank zu stellen) und in den Ofen geschoben.

Und dann habe ich alles falsch gemacht.

Zuerst habe ich den fertigen Teig nicht lange genug gehen lassen. Das kann schonmal 6 Stunden dauern, weiß ich nun. Ich glaube, vom Hefe-Backen noch ganz verblendet, habe ich meinem Brotteig vielleicht 'ne halbe Stunde gegeben.

Dann habe ich die Schnitte im Brot viel zu zaghaft angesetzt. Man sollte richtig tief reinschneiden, so etwa 2-3 cm. Ich habe gerade mal oberflächlich geritzt, mit dem Resultat, dass das Brot beim Backen in der unteren Hälfte einmal rundherum massiv aufgebrochen ist. Und die Bruchkante wurde beim weiteren Backen noch steinhärter...*

Dann habe ich auf Umluft gebacken. Auf UMLUFT! Ich habe später gelesen, dass man Sauerteig nie, NIEMALS auf Umluft backen soll. Die Kruste wird dadurch viel zu schnell viel zu hart, selbst wenn man (wie ich) das obligate Schälchen mit Wasser in den Ofen stellt.** Durch die harte Kruste kann das Brot sich aber nicht ausdehnen, und genau das ist auch passiert: Das Brot blieb klein und steinhart!

Dann habe ich mich in irgendeinem Hinterstübchen daran erinnert, dass man Brot mit Wasser einpinseln soll. Da ich ja Laugengebäck so gerne mag, hab ich kurzerhand Salzwasser genommen. Big Mistake. Nicht nur war mein erstes Brot klein, steinhart und zerborsten, sondern auch noch völlig versalzen! 

Leider habe ich keine Bilder gemacht, sonst hättet ihr euch selbst von dem Trauerspiel überzeugen können. Aber ich habe schon jetzt so viel Neues dazugelernt, und bin mir sicher, dass meine weiteren Brote mir noch viel mehr beibringen werden!

Nachtrag: Oh ja, das tun sie auch! Hier geht's zur zweiten Fehlersammlung. Und das wird wohl nicht die letzte bleiben.



* Bei meinen weiteren Broten habe ich seitdem nicht wieder einschneiden müssen, da der Teig an sich sehr weich und saftig war - die Schnitte hätten sich sofort wieder geschlossen. Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe das Gefühl, dass das so nicht richtig sein kann. Das Brot ist sehr luftig und lecker, aber das muss doch auch mit etwas festerem Teig gehen, oder? Ich werde es noch herausfinden...

** Im Übrigen bringt das Schälchen Wasser auch gar nichts, weil es quasi sofort verdampft. Um Sauerteigbrot zu backen, muss eine feuchte Hitze herrschen, also sollte man mit Wasserdampf nicht sparen. Entweder man gießt reichlich Wasser auf den Ofenboden, oder man spritzt mit der Blumenspritze kräftig in den Ofen. 

26.01.15

Weizensauerteig-Brot



Gerade habe ich mein zweites Sauerteigbrot angeschnitten. Noch warm, mit frischer Markt-Butter - das schmeckt!

Ich habe diesmal etwas weniger Teig zubereitet, damit nachher nicht so viel übrig bleibt (ein Brot vom letzten Mal musste ich wegschmeißen, da es angeschimmelt war). 
Wie zuvor habe ich den Sauerteig erst aufgefrischt und dann erst angesetzt. Am Sonntag Morgen gegen 8:00 Uhr habe ich meinen Teig gefüttert und konnte am Abend gegen 20:00 Uhr den Sauerteig ansetzen, diesmal von 180g Mehl und 20g Anstellgut. Wie zuvor habe ich den Ofen kurz an- und gleich wieder ausgeschaltet, und dann etwa 2 Stunden bei eingeschalteter Lampe (Ober- Unterhitze) gehen lassen. Dann habe ich den Ofen ausgeschaltet und den Sauerteig über Nacht im Ofen weiter gehen lassen. 

Heute morgen gegen 9:00 Uhr, meine Tochter war schon in der Kita, ich hatte schon einen Spaziergang im Schneegestöber und Stechschritt hinter mir, habe ich mein Brot gebacken.  
Den angesetzten Sauerteig habe ich mit 500g Mehl, 10g Salz und soviel lauwarmen Wasser vermengen, dass ein fester Teig entsteht. Der Teig sollte etwa die Konsistenz von Hefe-Kneteig haben, er ist aber viel klebriger. Dann wird der Teig gut durchgewalkt! Ich habe bestimmt eine Viertelstunde geknetet, das Radio lief und mit ihm der Schweiß - und tatsächlich wurde der Teig immer geschmeidiger. Ein faszinierendes Objekt: Wenn ich den Teig schnell und sicher auf meiner Arbeitsplatte bewegt habe, klebte er so gut wie gar nicht, war geradezu samtig. Ließ ich ihn hingegen liegen, ergab er sich sofort der Schwerkraft und heftete an der Arbeitsplatte. Zäh-viskos, nennt man das wohl. Ein Teigschaber ist bei der Arbeit mit Sauerteig unerlässlich! 
Dann kam der Teig in die Kastenformen und zum weiteren Gehen in den Ofen, und nach etwa 2 Stunden Gehzeit konnte ich den Teigling backen.
Zuerst hatte ich befürchtet, dass mir das Brot wieder zu hart wird: Als ich es aus dem Ofen gezogen hatte, fühlte es sich steinhart an und ich mich sehr demotiviert. Aber als das Brot etwa 20 Minuten in der Form ausgekühlt war, wurde die Kruste wieder elastisch und ich zuversichtlich. Mal sehen, wie lange sich das Brot diesmal hält, damit ich bald wieder ein neues backen kann :)



Zutaten 

Sauerteig:
180g Weizenvollkorn-Mehl
200ml lauwarmes Wasser
20g Anstellgut (Weizensauer)

über Nacht gehen lassen

Brotteig:
zusätzlich zum Sauerteig
500g Weizenvollkorn-Mehl
10g Salz
etwa 400ml lauwarmes Wasser

2 Stunden in der Form gehen lassen, 
20 Minuten bei 250°C backen, die restlichen 30 Minuten bei 180°C. 

Was ich diesmal anders gemacht habe



  • Anstatt 20% Anstellgut im Sauerteig habe ich nur 10% genommen. Da meine Sauerteig-Kulturen nun schon in der 5. oder 6. Generation bei mir leben, ist die Triebkraft stärker, und ich kann gefahrlos den Anteil im Sauerteig verringern. Das Resultat ist, dass das Brot viel feiner schmeckt, um nicht zu sagen mild. 
  • Ich habe das Salz genau abgemessen. Auf 1kg Mehl kommen 25g Salz, ich habe auf 500gMehl 10g Salz genommen, und bin zufrieden. 

Was ich noch verbessern muss



  • Auch wenn das Brot diesmal deutlich feiner schmeckt, ist mir die Säure immer noch zu dominant. Ich denke aber, dass sich das mit der Reife des Sauerteiges von selbst erledigt. 
  • Ich habe vergessen, mir vom fertigen Sauerteig etwas für das nächste Backen abzunehmen. Das ist zwar nur halb dramatisch, da ich gestern vom aufgefrischten Anstellgut was abgenommen habe, aber ich habe dennoch eine Generation verloren, was gerade am Anfang nicht so toll ist. 

Ich wünsch Euch viel Spass beim Backen! :)

23.01.15

Sauerteig II - Das erste Brot

... und dann konnte ich mein erstes Brot backen:


Brotteig bereiten
Zu den 300g Sauerteig (siehe vorheriger Post) werden 700g Mehl, 1 EL Salz, und nach Bedarf Wasser gegeben. Bei Weizenmehl muss man nun lange (ca. 10min) und kräftig kneten, damit das Gluten (der Kleber) aus dem Mehl austritt und das Brot schön fest und saftig macht. Je länger man knetet, desto mehr merkt man, dass der Teig, der anfangs sehr klebrig ist, immer geschmeidiger wird und nicht mehr klebt. 
Soweit die Theorie. Ich muss zugeben, dass ich echt unsicher wegen der Konsistenz des Teiges war. Ich habe vermutlich zu viel Wasser hinzugegeben, denn auch nach ordentlichem Kneten war der Teig immer noch sehr flüssig und klebrig. Aber ich habe es nicht gewagt, noch mehr Mehl hinzuzugeben, weil ich ein trockenes Brot vermeiden wollte. Also habe ich den sehr flüssigen Teig einfach so in die Formen zum gehen gegeben.
Das Handtuch da unten rechts ist eine Schüssel mit einem bemehlten Tuch ausgelegt. Zum einen habe ich nur zwei Kastenformen, zum anderen wollte ich auch ein "freigeschobenes" Brot ausprobieren.  





Gehen lassen
Der Teig wird so lange an einem schön warmen Ort (kurz erhitzter Ofen) stehen gelassen, bis das Teigvolumen sich etwa verdoppelt hat. Ich war sehr überrascht, dass es bei mir nach etwa 2 Stunden wirklich so weit war :)





Backen
Der Ofen wird auf 250°C vorgeheizt. Der Teigling wird gut befeuchtet (z.B. mit einer Blumenspritze) und dann in den Ofen geschoben. Auch in den heißen Ofen wird ordentlich Wasser gesprüht, damit im Ofen eine feuchte Hitze herrscht, die dafür sorgt, dass die Kruste elastisch bleibt. Nach 15-20 Minuten wird die Temperatur auf 180°C runter geregelt und das Brot für weitere 40 Minuten fertig gebacken. 
Und fertig war das Brot dann auch. Nach dem Desaster meines ersten Brotback-Versuches war ich total erstaunt, dass ein braunes, duftendes, lockeres, weiches Brot meinem Backofen entstieg. 



















Obwohl der Teig so flüssig war (das Brot ohne Form ist ja ein regelrechter Fladen geworden), hatte das fertige Brot doch genug Stabilität. 
Zugegebenermaßen muss ich noch am Geschmack arbeiten: Ich habe definitiv zu wenig Salz genommen (etwa 1/2 EL, ich war zu vorsichtig) und das Brot schmeckt schon sehr säuerlich. Vielleicht versuche ich es das nächste Mal mit weniger Sauerteig. Wobei dieser ja auch seinen Geschmack verändert, je älter er wird. Mal sehen...
Ich habe auch etwas Schrot hinzugefügt gehabt, das hat man aber gar nicht gemerkt - was ich schade finde, ich mag ein körniges Brot. Vielleicht werde ich mit ganzen Körnern experimentieren, zum Beispiel Leinsamen. Ich werde auf jeden Fall berichten! 


20.01.15

Sauerteig I - Ansetzen, Auffrischen und Führen

Etwas, das ich schon immer mal lernen wollte, ist das Brotbacken. Ich liebe frisches Brot in allen Varianten und finde es grundsätzlich gemein, dass nur gewissen Leuten (den Bäckern) das Geheimnis des Brotbackens bekannt sein sollte. Aber, werdet ihr einwenden, Brot kann man doch sehr gut und auch sehr einfach selber machen. Schon, aber nur unter Zuhilfenahme industrieller Fertigprodukte. Fertiger Sauerteig ist in meinen Augen irgendwie Schmu (und auch von Nachteil für Haltbarkeit und Geschmack des Brotes, da ihm Hefe beigefügt werden muss, siehe z.B. hier). Die Lösung bestand darin, selbst Sauerteig anzusetzen - denn was unsere Vorfahren jahrtausendelang selbst gemacht haben, muss doch irgendwie hinzukriegen sein!


Tatsächlich gibt es viele Seiten im www, die sich mit der Herstellung, Führung und Verwendung von Sauerteig beschäftigen. Allen voran ist das Sauerteig-Forum zu nennen. Es ist sehr informativ und detailgenau, und genau auf die Fragen von Laien abgestimmt, die zum ersten Mal mit Sauerteig arbeiten wollen. Auch sehr schön ist der Plötzblog, der noch viele Rezept-Ideen hat und weitere Tipps rund um das (Sauerteig-) Brotbacken gibt.

Nun denn, ich habe also meinen ersten Sauerteig angesetzt:
Tag 1: 100g Weizenmehl + 100ml Wasser (plus etwas Honig zur Beschleunigung, ist aber fakultativ) zu einem Brei angemischt, mit einem Tuch abgedeckt bei Zimmertemperatur stehen lassen.



Tag 2: 100g Mehl + 100ml warmes Wasser zum Teig geben, gut rühren, wieder stehen lassen.
Tag 3, 4: Wie Tag 2. In der Zwischenzeit sollte der Teig anfangen, Blasen zu schlagen und zu riechen. Häufig steht auf den Internetseiten, dass der Teig leicht säuerlich, angenehm nach Essig duften sollte, mit einer leichten Note nach Beeren oder Hefe. Wenn das nicht der Fall sein sollte, so ist der Ansatz verdorben. Bei mir war keins davon der Fall - mein Teig roch nicht "angenehm säuerlich", sondern regelrecht streng und beißend. Auch hat er keine pitoresken Blasen geworfen, tatsächlich lag er da wie ein tiefer See an einem windstillen Tag. Aber, ich habe mich an Herrn Pöt gehalten: Wenn der Teig nicht ganz und gar gräuslich riecht oder anfängt zu schimmeln, dann ist alles im grünen Bereich. Hoffnung! 
An Tag 5 ist der Teig zum Backen bereit. Ich habe daraus ein Weizenbrot gemischt, das total, wirklich absolut total, in die Hose gegangen ist. (Ein entsprechender Bericht folgt...)
Ich habe aber natürlich ein wenig Sauerteig übrig behalten (das sogenannte Anstellgut) und in den Kühlschrank gestellt, um weiter damit arbeiten zu können. Das macht man nicht nur aus Gründen der  Zeitersparnis, damit man nicht immer einen neuen Sauerteig ansetzen muss. Der eigentliche Grund ist, dass die Sauerteigkulturen, je älter sie sind, immer besser werden. Daher sind die Sauerteige ab besten, die über Jahre und Jahrzehnt weitergeführt wurden. 
Um das Anstellgut backfertig zu machen, bin ich folgendermaßen vorgegangen: 

Auffrischen (3-Stufen-Führung):
Das Anstellgut vom alten Brot habe ich aus dem Kühlschrank genommen, und in ein neues, sauberes Schraubglas gefüllt. Dann habe ich ihn mit einem Teelöffel Weizenvollkornmehl und gerade so viel warmen Wasser vermischt, dass ein Teig von der Konsistenz  von Pfannkuchen-Teig entstand. Das Gemisch ließ ich dann etwa 6 Stunden auf der warmen Heizung stehen (1. Stufe).

Der Teller sorgt für die gleichmäßige Hitze, das saubere Papiertuch für die Luftzirkulation bei gleichzeitgem Schutz vor Fremdkörpern, der Deckel ist zur Stabilisation oben aufgelegt.

Nach der 1. Stufe

Dann habe ich wieder 1 TL Mehl und Wasser hinzugefügt, und diesmal neben der Heizung wieder etwa 6 Stunden stehen gelassen (2. Stufe).

Nach der 2. Stufe

Zuletzt habe ich wieder 1 TL Mehl und Wasser hinzugefügt, und nunmehr im Flur wieder 6 Stunden stehen gelassen (3. Stufe).

Nach der 3. Stufe

Der Sinn dieser 3-Stufen-Führung ist, dass sich bei unterschiedlichen Temperaturen unterschiedliche Bakterien, bzw. Hefen im Sauerteig vermehren. Nur, wenn alle Kulturen im Gleichgewicht entwickelt sind, ist es ein guter Sauerteig, der schmeckt und gute Triebkraft hat.

Ansetzen (Vorteig, Vor-Fermentieren)
Vom nun aufgefrischten Anstellgut habe ich 60g auf 300g Mehl abgenommen (20%). Den Rest habe ich wieder in den Kühlschrank gestellt, bzw. zum Trocken ausgestrichen. Die 60g Anstellgut und die 300g Mehl habe ich mit warmen Wasser gemischt und dann 12 Stunden "gehen lassen". Das macht natürlich über Nacht am meisten Sinn. Auch hier muss auf eine abfallende Temperaturkurve geachtet werden. Dazu habe ich den Ofen kurz an- und gleich wieder ausgeschaltet und den Vorteig dann bei angeschalteter Lampe in den Ofen gestellt. Nach 2 Stunden habe ich dann die Lampe ausgeschaltet und den Teig die restlichen Stunden bis zum Morgen gehen lassen.
Am nächsten Morgen war auch wirklich ein wunderbar cremiger, mit Blasen durchsetzter Sauerteig entstanden. Der Duft war diesmal in der Tat angenehm säuerlich und als ich mich über ihn gebeugt habe, hat er leise zu mir gesprochen und vor sich hin gebizzelt. :-)


Dies ist nun der Vorteig, mit dem ich jetzt den richtigen Brotteig zubereiten und mein erstes Brot backen kann...


Anmerkung: 
Man muss nicht erst Auffrischen und dann erst Ansetzen, man kann auch gleich ansetzen. Ich habe dieses Vorgehen gewählt, weil mein Teig noch so jung war, und ich beim Plötz-Blog viel über die Führung eines Sauerteiges gelesen habe. Für mich hat es so gut geklappt, und ich glaube, ich mache das noch ein paarmal so, bis ich mit dem Brot wirklich zufrieden bin.  

15.01.15

Zur Wirtschaftlichkeit des Selbstversorgers

In meinem letzten Post habe ich die Skills vorgestellt, die ich (erstmal) in Vorbereitung auf ein Leben als weitgehende Selbstversorger lernen möchte. Ich habe sie in handwerkliche und wirtschaftliche Skills unterteilt. Das Handwerkliche erklärt sich ja von selbst. Vielleicht ein paar Worte zu dem Wirtschaftlichen.  
Wirtschaftlich in diesem Kontext bezieht sich auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes "Ökonomie". Ökonomie stammt aus dem Griechischen von oikos = Haus und nomos = Gesetz, Lehre. Es hat nichts mit Volkswirtschaft zu tun, mit Wachtum, BIP oder Globalisierung, ganz und gar nicht! Im Ursprung bedeutet Ökonomie oder Wirtschaft die gute, kluge Haushaltsführung.
Ich selbst muss bei diesem Begriff kräftig schlucken. Haushaltsführung, das bedeutet, die Frau ist zu Hause und macht die Wäsche. "Haushalten" ist ein Wort, das durch die Emanzipation fast gänzlich aus unserem Sprachgebrauch verschwunden ist, klingt altbacken, reaktionär, einem vergangenen Jahrhundert entsprungen.

Home, sweet home!

Wikipedia listet die Haushaltspflichten im 19. Jahrhundert:
Kochen, EinkochenEinschlachten, Wurstmachen, PökelnMilchwesenViehhaltungKindererziehung, Umgang mit DienstbotenBuchführungReinigung von Räumen, Geräten und Wäsche, Anfertigen und Behandeln des Bettwerks einschließlich der Matratzen, das Konservieren der Garderobe, das NähenFlicken und Stopfen der Kleidung, Spülen des Geschirrs und Bestecks, Heizen, Reparaturen von Geräten und in Räumen, Vorbereitung von UmzügenEinkaufFärben von Textilien und Kleidung, TapezierenAnstrich und Politur von Möbeln, Ungezieferbekämpfung.


Davon sind heute noch übrig:
Kochen, Einkochen, Einschlachten, Wurstmachen, Pökeln, Milchwesen, Viehhaltung, Kindererziehung, Umgang mit Dienstboten, Buchführung, Reinigung von Räumen, Geräten und Wäsche, Anfertigen und Behandeln des Bettwerks einschließlich der Matratzen, das Konservieren der Garderobe, das Nähen, Flicken und Stopfen der Kleidung, Spülen des Geschirrs und Bestecks, Heizen, Reparaturen von Geräten und in Räumen, Vorbereitung von Umzügen, Einkauf, Färben von Textilien und Kleidung, Tapezieren, Anstrich und Politur von Möbeln, Ungezieferbekämpfung. 


Was übrig bleibt sind ein paar "haushaltliche Pflichten": Einkaufen, Aufräumen, Kochen, Wäsche. Bei vielen Berufstätigen, Alleinlebenden ist Kochen ein sehr kleiner Posten. Bei manchen Familien kommt noch Garten, Kinder und/oder Großeltern hinzu. Die wenigsten haben Nutztiere, und die allerwenigsten leben von ihren Nutztieren oder -pflanzen.
Das ist zunächst einmal nur eine Bestandsaufnahme. Es ist eine große Errungenschaft, dass Frauen und Männer allerorten Berufen nachgehen können, die außerhalb der Haushaltsführung liegen, wenn sie das wollen.
Was ich allerdings nicht gut finde, ist, dass Haushalten als Beruf und Qualität so fast gänzlich verschwunden ist. Aufräumen etwa, die Kardinaltugend jeder "guten Hausfrau" ist schon fast in Verrufenheit geraten - wer kann, leistet sich eine Putzhilfe. Beliebtestes Streitthema zwischen Eltern und Kindern ist das Aufräumen, Ordnung ist was für Loser, nur das Genie beherrscht das Chaos, und wenn Ordnung das halbe Leben ist, dann leb ich auf der anderen Seite, bitteschön.
Diese Umwertung der haushaltlichen Arbeiten und Tugenden als etwas Negatives, Anachronistisches und unfrei Machendes führt dazu, dass Leistung und Anerkennung nur im Beruf (will heißen, der Lohnarbeit) liegen. Da aber die meiste Lohnarbeit entfremdet ist, liegt sie per se außerhalb dessen, was unser Leben eigentlich ausmacht. Die Betätigung im eigenen Hause sollte uns aber doch das Natürlichste auf der Welt sein.* Im Endeffekt bedeutet das Abwerten der Haushaltsführung zugunsten der Lohnarbeit eine immer weitere Entfremdung. Ich glaube, dieser Mechanismus (zusammen mit dem, was ich die Missachtung der großen Ordnung genannt habe) ist Ursprung für Viele, wieder zurück zu gehen in die traditionellen Arbeiten, in die Selbstversorgung. Es erstaunt mich immer wieder, wie stark die Berührungspunkte der jungen, alternativen Strömung der Selbstversorgung mit konservativen Lebensentwürfen sind. Auch daran ist ja erstmal nichts verkehrt. Man sollte sich nur darüber bewusst sein. Und die Selbstversorger-Bewegung geht ja ganz anders mit diesen Dingen um, die Prozesse der Selbstorganisation sind ganz andere, die politischen Ideale und Wertentwürfe sind ja alles andere als konservativ. Aber das nur mal am Rande.


Was zeichnet denn nun eine gute Haushaltsführung aus?
Zwei Eigenschaften zeichnen eine gute Haushaltsführung aus: 1. Werte schaffen, 2. Ressourcen schonen.
1. Werte schaffen. Das bedeutet, dass durch meine Hände Arbeit materieller Wert entsteht. Die Materialien, mit denen ich umgehe, werden durch meine Arbeit "veredelt", sie bekommen einen höheren Wert. Beispiel: Brot backen. Aus Mehl wird durch Zeit und Arbeit Brot. Um das ganze monetär auszudrücken: 1kg Mehl kostet 1,20€, 1kg Brot kostet 5€. Der monetäre Wert hat sich also mehr als vervierfacht.
Was mich aber mehr interessiert als der Geldwert ist der Gebrauchswertwert.** Mehl kann ich roh nicht essen. Brot hingegen schon, und außerdem schmeckt es viel besser! Ich habe konkreten Wert geschaffen.

Brotbacken

Beim Herstellen von Lebensmitteln ist das sehr einleuchtend. Aber auch beim Herstellen von Gebrauchsgegenständen gilt das gleiche Prinzip: Wolle wird versponnen und zu einem Kleidungsstück verarbeitet. Dies verlangt Arbeitszeit und Geschick. Der Nutzen, den ich aus dem Pullover ziehe, ist beträchtlich, er ist sogar notwendig für meine körperliche Unversehrtheit.
Ästhetische Merkmale sind natürlich auch wertsteigernd. Frauen haben die kostbarste Spitze geklöppelt, haben Familienerbstücke gewebt und Truhen, Betten und Schränke reich bemalt.
Wert wird nur durch Arbeit erzeugt, und eine gute Haushaltsführung besteht darin, eben solche Werte erschaffen zu können. Genau hier liegt aber die Krux: Wie viele von uns können das denn alles noch? Ich denke an Zeiten zurück, da man ästhetische oder Gebrauchswerte schaffen konnte, ohne vorher eine dreijährige Ausbildung und diverse Fortbildungen absolvieren zu müssen. Die Fähigkeit zum Wertschaffen ist uns einfach abhanden gekommen. Alles, was in unserer Wohnung, in unseren Häusern Wert hat, haben wir gekauft! (Ich rede hier natürlich nicht von all den Glücklichen, die sich schon ganz oder teilweise selbst versorgen können.)
Was von Generation zu Generation überliefert wurde an Wissen und handwerklichem Können, ist innerhalb einer Generation verloren gegangen. Wir müssen uns nun langsam und mühselig dieses Wissen wieder aneignen, aus verschiedenen Ecken zusammenklauben und vielleicht, wenn wir Glück haben, können wir bei einer alten Bäuerin in die Lehre gehen. Nunja, das ist die Situation, in der ich mich befinde, und die Liste, der Ausgangspunkt dieser Überlegungen hier, ist der Versuch, mir genau diese Fertigkeiten wieder anzueignen.



2. Ressourcen schonen. Ressourcen sind zunächst einmal alle Materialien an Wert, die in den Haushalt eingebracht werden und ihn wieder verlassen (Wertströme/Wertfluss). Außerdem aber sind Ressourcen auch die Bedingungen, unter denen diese Materialien hergestellt werden. Dazu gehören neben materiellen Ressourcen wie Land (Umwelt), Gerätschaften und Geld auch immaterielle Ressourcen wie Zeit, Kraft, Geschick, Erfahrung. 
Ressourcen zu schonen heißt, sie klug einzusetzen und optimal zu nutzen. Das klingt jetzt sehr wirtschafts-höirg, ich weiß, aber lasst mich erklären:
Optimale Nutzung heißt nicht Ausbeutung, sondern es heißt, nichts zu verschwenden. Wer eine Plastiktüte kauft und sie zu Hause wieder wegschmeißt, hat nicht das meiste aus dieser Tüte herausgeholt, sondern er hat sie verschwendet. Das Problem ist natürlich, dass diese Plastiktüte so unsäglich billig ist, dass es sich lohnt, sie wegzuwerfen. Und billig kann sie nur sein, weil an anderer Stelle Ausbeutung passiert. Also: Ressourcen optimal nutzen hat nichts mit Ausbeutung zu tun, es ist das Gegenteil davon. Denn die optimale Nutzung schließt aus, dass die Ressource danach zerstört ist, was bei Ausbeutung aber immer der Fall ist. 


Permakultur

Am Beispiel Lebensmittel lässt sich das gut auf die Haushaltsführung übertragen: Lebensmittel sollen so gekauft und verwertet werden, dass nichts weggeschmissen werden muss. Das bedeutet auf der einen Seite einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln (wann ist der Joghurt wirklich schlecht, wie lange ist Kohl lagerbar) und auf der anderen Seite die Fähigkeit, verderbliche Waren haltbar zu machen.
Auch in anderen Bereichen ist diese ressourcen-optimale Herangehensweise zu finden, etwa beim Gemüseanbau in der Permakultur, wo eine strenge Fruchtfolge eingehalten wird. Der Boden wird dadurch vor einseitiger Belastung geschützt, die ihm Nährstoffe entzieht, und dadurch kann man ohne Zusatz chemischer Dünger eine optimale Ernte erzielen. Nachhaltigkeit führt in dem Fall also zu optimalen Ergebnissen. 
Meine Ressourcen zu schonen bedeutet für mich also in erster Linie Müllvermeidung, mit allem, was daraus folgt: Lebensmittel haltbar machen, Kleidung selber herstellen und reparieren, Einkauf optimieren (ohne dabei die Ressource Geld über die Maßen zu strapazieren ;-)). Ordnung, Pflege und Wartung meines ganzen kleinen Haushaltes, das muss auch erstmal gelernt werden. Nun denn, stürzen wir uns in das Abenteuer Haushaltsführung! 

Haushaltsführung



* Abgesehen davon, dass die meisten Menschen kein eigenes Haus haben, sondern nur in einer Mietwohnung leben. Erstaunlicherweise berühren meine Ausführungen hier die Ideen Marx', der die Ursache des zerstörerischen Kapitalismus darin sieht, dass die meisten Menschen kein Kapital (heißt kein Land) besitzen. Vielleicht führe ich das an anderer Stelle einmal aus...
** Die Unterscheidung von Geld- und Gebrauchswert findet sich übrigens auch bei Marx.


Selbstversorger Fertigkeiten

Um ein neues Leben zu beginnen, bedarf es reichlicher Planung und Vorbereitung. Neben den "harten" Faktoren wie Geld ansparen, Finanzierungsplan besprechen, Grundstücke suchen, müssen auch die "weichen" Faktoren geplant und entwickelt werden. Für mich bedeutet das, dass ich gewisse Fähigkeiten und handwerkliche Fertigkeiten entwickeln will (und muss). Es gibt so vieles, was ich lernen und wissen möchte, schon immer mal machen wollte, aber nie die Zeit dazu fand. Nun sind diese scheinbar spleenigen Fähigkeiten, diese altmodischen Hobbies, eine notwendige Voraussetzung für unser neues Leben geworden, und das Erlernen derselben edle Pflicht. 

Im Konkreten möchte ich Folgendes lernen:

1. Handwerklich:
* Brot backen
* Milch verarbeiten (Käse, Butter, Joghurt, ...)
* Vegetarische Pasten herstellen
* Seife sieden 
* (Heil-) Kräuter anbauen, sammeln und verarbeiten
* Wolle verarbeiten
* Schaf- und Ziegenhaltung
* Hühnerhaltung

2. Wirtschaftlich
* Ordnung, Wartung und Pflege
* Müll vermeiden
* Recycling, Upcycling, Reparieren
* Saisonale Lebensmittel verarbeiten
* Verschiedene Formen der Haltbarmachung erlernen 
* Was geht, selbst herstellen 

Unter dem neuen Label "Selbstversorgung" sammeln sich ab jetzt alle Fortschritte in diesen Bereichen. 

11.01.15

Sonntagsfreude


Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken... die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine Sonntagsfreude sind.

nach einer Idee von kreativberg





... wenn der Feierabend mit dem Liebsten um 22h endlich beginnen kann...

07.01.15

Schreibepausenende - Neuanfangsbeginn


Willkommen 2015!


Ich habe es mir abgewöhnt, gute Vorsätze für das neue Jahr zu machen. Kaum Mitte Januar hat man die ersten Verstöße gegen die selbstauferlegte Ordnung begangen, im Februar plagt einen das schlechte Gewissen und im März denkt man sich, dass eh alles Schmu war, das Datum des 01.01. willkürlich und keinesfalls Rechtfertigung für Listen mit lebensverändernden Vorsätzen. 

Doch am Montag, also am 05.01., haben mein Mann und ich ein langes, emotionales Gespräch geführt, und am Tag der Heiligen Drei Könige hat sich doch tatsächlich eine Art Vorsatz ergeben. Nicht fürs neue Jahr, sondern für unsere gemeinsame Zukunft. Wir wollen ernst machen! Ernst machen mit dem Loslösen aus unserer Über-Zivilisation, ernst machen mit dem Verzicht auf konventionelle Lebensmittel und andere Güter, ernst machen mit unserem Traum vom Landleben, der Einheit mit der Natur, der stückweiten Autonomie. Wir wollen nicht mehr. Noch sind wir vielleicht nicht unglücklich, aber wenn wir den Weg weiter beschreiten, auf dem wir uns bewegen, werden wir es, das wissen wir.

 Einer hat mal gesagt, Freiheit bekommt man nicht geschenkt, man muss sie sich nehmen. 

Ich liebe meinen Mann und bin ihm so dankbar, dass er mit mir diese Entscheidung getroffen hat. Ja, wir machen ernst. Es soll nicht beim Träumen bleiben. Wir machen uns auf den Weg. 


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