26.02.15

Fehler beim Backen mit Sauerteig II

selbstgebackenes Brot zu sauer
Roggen, sehr sauer


Dass der Weg zum guten Brot lang ist, das habe ich mir schon gedacht. Nach dem allerersten Brotbackversuch habe ich die gröbsten Fehlerquellen wohl ausgemerzt. Aber gehofft hatte ich doch, dass ich ein wirklich gutes Brot etwas schneller hinbekomme. Ich habe mittlerweile mein fünftes oder sechstes Brot gebacken, und bis jetzt ist noch keins dabei gewesen, das ich wirklich mit Lust gegessen hätte. Tatsächlich habe ich die letzten Brote alle alleine verspeist, da weder Mann noch Kind sich dazu durchringen konnten. 

Zwei Dinge stören mich an meinem Brot: 1. Es ist zu sauer. 2. Es ist nicht locker genug.


Zur Säure:

* Ich weiß, dass die Säure im Sauerteig mit der Führung zusammenhängt: Feste, kalte Führung - sauer; weiche, warme Führung - mild. Aber wann ist warm warm genug? Und muss ich nicht immer eine Drei-Stufen-Führung vornehmen? Zum Glück habe ich diesen Beitrag zur Ein-Stufen-Führung für milden Roggensauer gefunden. Den werde ich mir beim nächsten Backen zum Vorbild nehmen.

* Ob das Brot sauer oder nicht ist, hängt natürlich mit der Menge an Sauerteig zusammen. Ich backe mittlerweile streng nach Rezept und suche mir immer ein Rezept für mildes Roggenbrot aus. Das eigenständige Ausrechnen gemäß der Faustregeln habe ich aufgegeben (ein Schritt nach dem anderen), aber sie geben mir Anhaltspunkte dafür, wann ein Brot mild oder kräftig ist. Aber welchen Einfluss hat die Menge des Anstellgutes auf die Säure? Bis jetzt nehme ich immer 10%, aber gehen vielleicht auch 5%? Das muss ich noch herausfinden.

Krume nass gummi klitschig
Roggenmisch, feuchte und gummiartige Krume


Zur Konsistenz:
* Das Gehen und das Backen haben natürlich auch einen Einfluss auf den Geschmack. Und mit der Konsistenz bin ich bei weitem nicht zufrieden. Zunächst habe ich immer einen sehr weichen, klebrigen Teig, aus Angst, dass mir das Brot zu fest wird. Aber dadurch kann ich ihn nicht so gut wirken, und das beeinflusst auch die Triebfähigkeit und somit die Konsistenz des Brotes.

* Ich glaube, einen Fehler habe ich aber schon ausfindig gemacht: Ich lasse den Teigling viel zu lange gehen. Im Ofen geht das Brot null auf, das heißt, dass draußen sozusagen alle Triebkraft schon verpufft ist und im Ofen, wenn es gar werden soll, nix mehr geht. Dadurch wird die Krume aber natürlich eher fest. Für eine großporige Krume soll man das Brot untergärig einschießen, also bevor es ganz aufgegangen ist.

* Die Kruste meines Brotes ist sehr weich und elastisch, ich hätte sie aber gerne schön kross. Insgesamt sind meine Brote sehr gummiartig. Gerade bei der Kruste bin ich darauf gekommen, dass es etwas mit dem Schwaden zu tun haben könnte. Nachdem ich gelesen hatte, dass das Brot eine feuchte Hitze zum Backen braucht, habe ich immer ordentlich mit der Blumenspritze gesprüht und schnell die Ofentür geschlossen, damit ja kein Dampf entweicht. Fehler! Soll die Kruste rösch werden, muss der Dampf abziehen. Nach 2 Minuten etwa öffnet man dann die Ofentür und entlässt den Dampf.

Frisches Weizenbrot rösche Kruste

Sauerteigbrot mit Leinsamen
Weizen mit Leinsamen und Sesam

Und dass ich wirklich erst ganz am Anfang stehe seht ihr hier: Fehler beim Backen mit Sauerteig I

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Verlinkt bei Meertje.

24.02.15

Winter im Garten


Wenn man so durch meine bisherigen Beiträge blättert, könnte man den Eindruck erhalten, ich würde das Haus gar nicht verlassen. Außer ein paar lausigen Spatziergängen war der Winter doch sehr häuslich, beschränkt auf Backen, Kochen, Basteln. Aber, um ehrlich zu sein, Herbst und Winter sind meine liebsten Jahreszeiten. Ich liebe es, mich in meine vier Wände zu verkrümeln und kreative Gemütlichkeit zu zelebrieren. Allerdings, wenn die Blumen wieder ihre Köpfchen aus der Erde strecken, die ersten zarten Knospen an der wärmer werdenen Luft schnuppern, dann freu ich mich doch wieder auf den neuen Frühling. Der Wechsel der Jahreszeiten hat etwas so unheimlich Tröstliches, nicht wahr?


Im Frühjahr also legen wir wieder los in unserm Garten, 1000 Quadratmeter Natur, unser eigen. Aber auch der Winter war durchaus keine gartenfreie Zeit - Schneeschippen war angesagt.


Und wenn der März dann kommt, so werden auch wir, dem Bauern gleich, die Rösslein anspannen und unsere Felder und Wiesen instand bringen.

23.02.15

Krimskrams-freie Zone

Die Spielecke unserer Tochter, im Wohnzimmer neben der Couch, unter der Dachschräge, ist mit Abstand ihr liebster Platz in unserer Wohnung - vielleicht noch von unserm Familienbett getoppt, wo wir Nachts gemeinsam kuschelnd einschlafen. Ihr Wortschatz ist noch nicht allzu üppig, aber "Ecke" kann sie schon sagen. Nach dem Frühstück, beim Wickeln, vor dem Schlafengehen - ein fragendes "Ecke?" von meiner Tochter, und zusammen verkrümeln wir uns in ihr kleines Spielparadies.


Die Pflege der Spielecke liegt mir sehr am Herzen. Ich versuche, jeden Tag mit ihr die Spielsachen wieder an ihren Platz zu räumen, und vor allem versuche ich, ihre Spielecke plastik- und krimskramsfrei zu halten.
Letzte Woche stand eindeutig Ausmisten auf der Agenda. Die Körbe im Regal, zum Sortieren und Ordnunghalten gedacht, waren übervoll mit irgendwelchem Klitterkram, den ich mitunter ganz vergessen hatte. Mit vielen Dingen spielte sie überhaupt nicht mehr, war schon zu groß dafür. Einen riesigen Haufen Zeug habe ich aus der Kuschelecke getragen, und die ist nun wirklich nicht groß!


Was sich alles im Laufe der Zeit dort angesammelt hatte! Sandförmchen, einzelne Socken, Schnüre, ein Zollstock. Den kleinen Tambourin habe ich auch weggeräumt, sie ist einfach noch zu klein dafür. Hingegen für den selbstgehäkelten Greifball und das kleine gestrickte Püppchen ist sie zu alt - sie warten jetzt im Keller auf das nächste Kind. Und manche Dinge finde ich einfach rundweg hässlich, Geschenke von wohlmeinenden Bekannten oder Uromas. So zum Beispiel die folkloristische Puppe, ein Mitbringsel aus Mexiko. Oder die Libelle auf dem Zollstock - wer produziert so etwas überhaupt? Nun ist die Spielecke wieder freier (aber nicht aufgeräumter), und meine Tochter kann wieder ungestört und unabgelenkt ihre Lieblingsspiele spielen.
Spiel, das wissen wir, ist ja nichts anderes als Lernen. Wie konzentriert manche Kinder ein und das selbe Spiel immer und immer wieder spielen: Puppenkleidchen an, Puppenkleidchen aus, Bauklötze aufstapeln, Bauklötze umwerfen. Diese Konzentration auf eine Tätigkeit und ein Spiel wird nicht nur durch Unordnung verhindert, sondern auch durch ein Überanebot. Das Kind wird vor eine künstlich erschwerte Entscheidung gestellt, mit was es spielen will, in der Annahme, dass mehr Angebot automatisch besser ist. Aber wir wissen ja selber, dass wir uns beim Einkaufen, vor der Käsetheke, kaum entscheiden können - wie soll dann ein kleines Kind eine gefestigte Entscheidung treffen können?
Es ist die viel beschworene Überforderung, die das Kind, das eigentlich nur in Ruhe vor sich hinspielen will, quenglig und fahrig werden lässt. Ich denke überhaupt, dass das Kind am besten mit Stöckchen und Steinchen aus dem Wald spielt, vielleicht noch ein Stückchen Stoff und ein Bilderbuch. Minimalismus im Kinderzimmer, die lieben Kleinen holen sich schon ihre Beschäftigung.


Aber diesen Schritt traue ich mir noch nicht zu, zu stark ist der Glaube in mir, dass Kinder Spielsachen brauchen. Aber zumindest kann ich regelmäßig entrümpeln, und vielleicht lernt mein Kind dadurch, dem Zeug, dem Krimskrams dieser Welt einfach die kalte Schulter zu zeigen.

13.02.15

Selig, die Abgebrochenen

Bei uns, in dem gepflegten Vorort Stuttgarts, wo sich BMW an Mercedes reiht, wo die Muttis morgens die Kinderwagen durch die Straßen schieben und die Vatis um 17:30 von der Arbeit heimkommen, wo ein zweigeschossiges Einkaufsparadies am historischen Marktplatz steht, bei uns also, da gibt es nichts, was stört. Da gibt es keine Obdachlosen, keine Asozialen, keine Bettler.

Banksy in Broadway by Eric Richardson

Doch, es gibt sie, auch bei uns. Und wo treffen sie sich, die Alkis, die Druffis, die Einsamen, um ab 16h ein Bier nach dem anderen zu kippen? Vor dem Einkaufsparadies, dem Vorzeigeobjekt westlichen Vorort-Konsums. Ein paar Bänke stehen um eine Pappel, auf dem ansonsten mausgrau zugepflasterten Vorplatz. Und dort, noch gerade im Schein der Innenbeleuchtung, sitzen sie. Ignoriert von den Passanten, Eltern nehmen ihre Kinder fester an die Hand, wenn sie an ihnen vorbei gehen, geduldet, aber nicht erwünscht. Gemeinsam besaufen sie sich, die Männer zwischen 20 und 50, ab und an auch ein paar abgerissene Schönheiten, die besten Jahre hinter sich, keine Perspektive vor sich, keine Familie, vielleicht auch keinen Job, nur das Bierchen mit den Jungs am Center.
Gestern bin ich mit meiner Tochter ins Center gegangen, schnell zum dm und gleich wieder raus. Sie ist wie immer alleine und nicht an der Hand gelaufen, hüpfenden Ganges, brabbelnd und grinsend, ein entzückendes Kleinkind eben. Sie zieht viele Blicke auf sich, "ach, wie süß", "wie alt ist sie denn", Menschen lächeln, wenn sie ein fröhliches Kleinkind sehen, das ist gut und richtig so.
Einkauf erledigt, und wir beide schlendern wieder in Richtung Ausgang. Ich stehe schon vorne, halte die schwere Flügeltür für meine Tochter offen, warte, bis sie angezockelt kommt, da kommen mir zwei Kumpels entgegen, zwei von der Pappel. Sie haben die Arme umeinandergelegt, zwei Saufkumpanen, schwanken Richtung Türe, lachen, grölen, singen, verbreiten biergeschwängert gute Laune. Dann sehen sie, für wen ich die Tür aufhalte, machen höflich Platz, bis meine Kleine durchgezockelt ist, "ach, wie süß", "wie alt ist sie denn". Ich lächele, "fast 2", bedanke mich fürs Platz machen, verabschiede mich, sie sich auch, dann halten sie mir noch die Türe auf, und dann bin ich draußen, und sind sie drin, Nachschub für die Jungs holen.
Auf dem Heimweg ging mir ein Lied nicht aus dem Kopf: "Selig sind die Verrückten", von Reinhard Mey. (Audio, Text)

Liedermacher Mey, Selig sind die Verrückten
Mey in der Lokhalle Göttingen, 2011 

Selig, die Abgebrochenen,
Die Verwirrten, die in sich Verkrochenen.
Die Ausgegrenzten, die Gebückten,
Die an die Wand Gedrückten,
Selig sind die Verrückten!

Ich verstehe so langsam, was er damit meint.

Verlinkt bei Wir sind alle eine Welt

10.02.15

Re-blog: Happy Birthday, Eleanor!


Ein Jahr ist die Kleine jetzt alt, und zur Feier sind alle Freunde geladen. Anne Marie, die Zero-Waste Köchin feiert das Einjährige ihres Sauerteig-Ansatzes. Lest weiter, wie sie in pflegt und was sie mit dem Überschuss macht (die Gretchen-Frage beim Führen von Sauerteig).

A year ago I wondered if Eleanor would make it to this day.
I had baked with a couple of other sourdough starters before Eleanor came along, and I thought they exhibited fundamental flaws - they lacked vigor, they smelled too acidic, they produced lackluster loaves. As I’ve come to realize over this past year, the flaws in fact lay with me and my feedings, not with those previous starters. Just as with a child - a parent’s teacher - I have learned so much over this past year of baking with Eleanor.... Weiterlesen

Mit freundlicher Genehmigung von Anne Marie :)

09.02.15

Faustregeln für den Sauerteig

Welche Zutaten muss ich beim Brotbacken wirklich hinzukaufen, und was kann ich selbst herstellen? Es freut mich ungemein, dass ich die Sauerteig-Kulturen selbst ansetzen kann, und auf keinen gekauften Sauerteig mehr angewiesen bin. Mein Brot besteht aus zwei Zutaten: Mehl und Salz (Wasser gibt's aus der Leitung). 
Aber wirklich unabhängig ist man nur, wenn man auch verstanden hat, wie die Dinge, die man tut, zusammenhängen. Man braucht einen gewissen Sachverstand und auch Routine, sonst wird man eigene Fehler nicht beseitigen können. 
Das gilt auch fürs Brotbacken (und das Käsemachen). Nicht umsonst durchläuft der Bäcker eine dreijährige Ausbildung, Brotbacken ist alles andere als trivial. Von der rechten Mehlsorte angefangen, über die Knettechniken bis hin zum Backen im Steinofen. Noch stümpere ich ja so ein bisschen vor mich hin, und auch wenn ich mich immer genau an die Rezepte halte, ist jedes Brot von Neuem eine Zitterpartie, begleitet von diversen Stoßgebeten.
Es gibt aber gewisse Faustregeln, die mir erstmal ein wenig Sicherheit geben:

Faustregeln für den Sauerteig
aus dem Sauerteig-Forum

Roggenbrot: 30%-50% der gesamten Roggenmehlmenge gesäuert.

Weizen-/Dinkelbrot: 30%-40% der hinzugefügten Mehlmenge gesäuert.*

Anstellgut: 5%-10% der zu versäuernden Mehlmenge.
 


Das Grundrezept für ein Weizenbrot lautet:
Sauerteig
300g Weizenmehl            = 30%
300g Wasser
30g Weizen-Anstellgut    = 10% von 300g Mehl 
Brotteig
630g Sauerteig
1000g Weizenmehl           = 100%
0,5l Wasser
25g Salz
Und das war's. Die Mengenverhältnisse bleiben immer gleich. Körner und Schrot werden einfach hinzugefügt, sie verändern die Verhältnisse nicht. Zu beachten ist, dass man bei Roggenbrot Roggensauer zum Anstellen braucht, für Weizenmehl braucht man Weizensauer. Man darf also die Mehlsorten beim Ansetzen nicht mischen. Auch unterscheiden sich die Mengenverhältnisse bei Roggen-und Weizenbrot, weil sie sich beim Roggen auf die gesamte Mehlmenge beziehen, beim Weizen auf die hinzugefügte Mehlmenge. Warum, weiß ich nicht, aber ich find's noch raus :) 







* Hier hat sich im Forum mMn ein Fehler eingeschlicken: Pöt spricht beim Weizen-Brot davon, dass man 30-40% als Weizensauerteig braucht. Auf die Mehlmenge gerechnet wären das dann aber nur 15-20%, da der Sauerteig zur Hälfte aus Wasser besteht. Ich denke, er meint 30-40% der Mehlmenge versäuert. Andere Rezepte bestätigen das. 

06.02.15

Kräuterregal

Manch' Ding will Weile haben. So auch unser Vorhaben, das Kräuterregal, das über dem Herd hängt, zu reparieren und aufzubessern. Von der Vormieterin übernommen, hing das alte (Ikea?) Regal recht windschief an der Wand, mehr als ein paar Gewürzgläschen und Tassen wollt' ich gar nicht draufstellen, aus Angst, das Ganze kommt mir entgegen. 
Letztes Wochenende war es dann soweit, das Regal wurde "gepimpt". Erstmal wurde alles ordnungsgemäß gesäubert und verleimt. Alte Schraubgläser an die Unterseite des Regals geschraubt, mit Kräutern befüllt, ergeben jetzt ein prima Gewürzregal! Hier eine Anleitung in Bildern.


Deckel anbringen









An die Unterseite des Regals werden die Metalldeckel von passenden Schraubgläsern geschraubt. Natürlich muss man darauf achten, in welcher Reihenfolge die Gläser später mal hängen sollen. Drei Schrauben, zu einem Dreieck angeordnet sind am stabilsten. Der Deckel wird so am wenigsten beansprucht und wackelt nicht. Die Löcher haben wir mit einer alten Gürtel-Stanze  (Lochzange) gemacht. 


An der Wand









Befüllen und Zuschrauben






Et voilà. Schnicke, oder? ;-) 

Ich habe diese Idee einmal in einer befreundeten WG gesehen, vor gefühlten 100 Jahren, und ich habe mir fest vorgenommen, das auch einmal nachzumachen. Nicht nur wird man die ollen Plastiktütchen und -döschen los, in denen das Gewürz sonst immer daher kommt, es spart auch noch Unmengen Platz! Ich freue mich, wenn ihr euch inspirieren lasst und vielleicht auch einen "vertikalen Gewürzspender" in eurer Küche anbringt. 

Verlinkt bei: Upcycle-Dienstag im Februar , und bei: 




04.02.15

Frisch-Käse aus Joghurt

Was da seit gestern in meinem Nudelsieb vor sich hin tropft, recht kreativ beschwert mit diversen Töpfen und Gläsern, ist ein kleiner Frischkäse aus Joghurt. 


 Die Zubereitung ist denkbar einfach:


Frischkäse aus Joghurt

500g Naturjoghurt
ca 1 TL Salz

Den Joghurt mit Salz vermengen. Die Masse in ein sauberes Tuch geben (eine Stoffwindel eignet sich hervorragend), in ein Sieb stellen und 24 Stunden bei Zimmertemperatur abtropfen lassen. Wenn's schneller gehen soll, kann man das Tuch auch beschweren. 

Ob abgetropfter Joghurt schon den Namen Käse verdient, ist streitbar. Ich finde schon, und nicht immer muss alles wahnsinnig kompliziert sein. Das Prinzip hinter Käse ist doch folgendes: Milch gerinnt. Dadurch trennt sich das Flüssige (die Molke) vom Festen, dem Gerinnsel (der Käsebruch). Der Käsebruch wird zusammengepresst, die Molke läuft ab, der Käse ist fertig.
Der Unterschied liegt nun meines Kenntnisstandes nach darin, 1. wodurch die Milch gerinnt (Säurewecker, Lab), und daran anschließend 2. wie lange der Käse reift. Milch, die spontan versäuert (Dickmilch, Joghurt), wird zu Frischkäse verarbeitet. Da die spontane Säuerung aber immer gewisse Risiken birgt, fügt man der Milch eher gekaufte Joghurt-Kulturen (oder fertigen Joghurt) hinzu. Wird der Milch hingegen Lab zugesetzt, kann man daraus Hartkäse machen, der wiederum lange reifen kann.
Das ist erstmal mein laienhaftes Verständnis von der hochkomplexen Materie "Käse". Aber der Anfang ist gemacht und auch schon zur Hälfte verspeist :)


*Das Brot ist übrigens mein drittes Sauerteigbrot, Rezept folgt.





03.02.15

Im Entstehen





Hier befindet sich ein neues Projekt im Entstehen. 

02.02.15

Vom Pferd gefallen

Freitag ist Mama-Kind-Tag. Wann immer es mir möglich ist, behalte ich meine Tochter freitags zu Hause, der Papa geht auf Arbeit, und wir beide machen uns einen gemütlichen, entschleunigten, kuschligen Tag zu zweit. Das tut uns beiden sooo gut, und macht so viel Spaß! Eigentlich machen wir nichts anderes außer spielen, kuscheln, singen, und wenn wir dazu keine Lust mehr haben, räumen wir ein bisschen die Wohnung auf, gehen raus, naschen Kekse, oder was auch immer.
Nun liebt meine Tochter ja das Spiel mit dem Wasser. Sobald wir die Küche betreten, wandert ihr Blick Richtung Waschbecken, ob sie nicht mal wieder abwaschen könnte, die Töpfe in der Ecke da sehen so aus, als müssten sie mal... Und gerne ermögliche ich ihr diese Freude, zu plantschen und mir gleichzeitig zu helfen.  


Zum Abwaschen steht sie immer auf ihrem Tischchen. Eine andere Konstruktion haben wir noch nicht erdacht, und es klappt eigentlich auch ganz gut. Eigentlich. Bis auf letzten Freitag.
Kopf voran ist meine Tochter am Freitag vom Tischchen gekippt, schlug mit Stirn und Nase auf die Kacheln, und als ich sie sogleich auf den Arm nahm, lief schon das Blut aus der Nase. Ich war (und bin) erschüttert! Nase gebrochen, schoss mir als erstes durch den Kopf, sie kriegt keine Luft mehr, muss sofort ins Krankenhaus.
Nach etwa einer Minute hörte das Nasenbluten auf, die Nase war nicht geschwollen, wir aßen noch eine Kleinigkeit, und legten uns dann unmittelbar zur Mittagsstunde, ins Ehebett, Seite an Seite. Nach ihren gewöhnlichen zwei Stunden war die Kleine wieder wach, fröhlich wie ehedem, und es war überstanden.
Und jetzt steh ich da, ich armer Tor. Soll ich ihr weiterhin erlauben, auf dem Tischchen zu stehen, ungesichert, und im Becken zu plantschen, das trotzdem noch immer zu hoch für sie ist? Oder soll ich ihr ab sofort verbieten, solcherart gefährliche Dinge zu veranstalten, weil mein Mutterherz es nicht aushält, wenn ihr kleines Näschen blutet? 
Im Ernst, wir hatten Glück! Die Nase hätte wirklich gebrochen sein können, oder ein Arm oder Bein, oder weiß der Kuckuck! Auf der anderen Seite - haben kleine Kinder nicht immer irgendwie Glück? Sie haben einen besonderen Schutzengel, heißt es, und seit meine kleine Schwester als Kleinkind, sie war nicht mal ein Jahr zu dem Zeitpunkt, fast die Treppe runtergestürzt wäre, aber eben nur fast, da glaube ich fest daran!



Sicherheit oder Spass? Sind das wirklich die Pole, zwischen denen ich mich für meine Tochter entscheiden muss? Bis jetzt war ganz kristallklar, dass der Spass, der Lerneifer und die Lust an der Welterkundung meiner Tochter immer gegenüber den Sicherheitsbedürfnissen der Eltern (und Großeltern, wenn wir schonmal dabei sind) vor gehen. Aber jetzt bin ich verunsichert - wo ist die Grenze? Was kann man noch tolerieren, und wann kommt das Jugendamt? Ohne Witz, ich befürchte manchmal, dass irgendwann die Polizei vor der Türe steht, und dann steh ich ganz schön doof da, mit einem Kind, das auch bei 18°C barfuß läuft, das alleine auf Stühle klettern darf, dem wir manchmal zwei Tage lang vergessen, die Zähne zu putzen, und das sich halt mal die Nase blutig schlägt, weil es runtergefallen ist. 
Nachdem sich der erste Schock bei uns beiden gelegt hat, bin ich wieder etwas ruhiger geworden. Ich werde weiterhin an meinen Grundsätzen festhalten. Verletzungen gehören dazu, und alles, was nicht total wahnwitzig oder fahrlässig ist, werde ich ihr auch weiterhin erlauben. Ich möchte nicht die Übermutti sein, die den Freiheitsdrang ihres Kindes erstickt, nur weil sie Angst um ihr Kind hat. 
Okay, keiner will das.  So viele Mütter legen unisono das Gelübde ab, ihrem Kind Freiheiten zu lassen, aber das, was sie unter "freiem Spiel" für ihr Kind verstehen, liegt meilenweit hinter dem, was ich mir an Freiheiten für meine Kinder wünsche. Keiner will sein Kind gefährden, keiner will sein Kind erdrücken. Nur die Auffassung davon, wie viel Freiheit nötig sei, und ab wann die Einengung beginnt, sind eben verschieden. Kann es da überhaupt eine kanonische Definition geben?


Nebenbei: Meine Tochter wollte noch am gleichen Abend wieder aufs Tischchen zum Abwaschen und, ja, ich hab's zugelassen. Es scheint, als hätte meine Tochter eine Tugend schon verinnerlicht: Wer vom Pferde fällt, soll sogleich wieder hinauf!

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