27.05.15

Schmetterlings-Ring

Schon immer habe ich Schmetterlinge geliebt. In besonderen Momenten meines Lebens habe ich sie gesehen, und diese Bilder tief im Gedächtnis behalten. Diese fragilen, leichten Wesen, die wie Elfen über eine Blütenwiese gleiten, scheinen Fröhlichkeit und Heiterkeit auszustrahlen. Sie stehen wie kein anderes Tier für Veränderung, Neuanfang, Leichtigkeit. Ein leichtes Herz, ja, das wünsche ich mir gerade sehr. 

Ring selber basteln

Als mir heute beim Aufräumen eine meiner Lieblingstassen zu Bruch ging, konnte ich nicht mehr - ich habe losgeheult wie ein Schlosshund. Ich konnte mich gar nicht beruhigen, und mir ging auf, wie schwer es mir fällt, mir selbst zu verzeihen. Ob es an meiner Erziehung oder an meinem Temperament liegt, das weiß ich nicht. Aber irgendwie kam diese Erkenntnis heute wie eine Erleuchtung über mich. Lerne Dir selbst zu verzeihen, lerne Deine Fehler anzunehmen, und mach einfach da weiter, wo Du gerade bist. Liebe Dich selbst. 
Gerade das Aufräumen ist bei mir ja ein großes Thema. Ich ärgere mich, dass ich es einfach nicht schaffe, Ordnung zu halten. Aber ich habe zwei blinde Augen, wenn ich über meine eigene Schusseligkeit hinwegsehe. Warum? Traue ich mir selbst nicht mehr zu? Es ist eine eigentümliche Verdrängung, die ich da vollziehe, die nichts mit Nachsicht zu tun hat. Ich ignoriere schlicht die negativen Gefühle, die mich ob meiner Unzulänglichkeit überkommen. Mein Bauch sagt mir ziemlich genau, dass schlampern und schlusen, lümmeln und gammeln mir einfach nicht gut tun. Aber dennoch drücke ich beide Augen zu im Glauben, mir etwas Gutes zu tun, wenn ich nicht meine Arbeiten erledige. Diese Verdrängung aber macht mich noch unzufriedener, und - let's face it! - sorgt für immer weniger Selbstvertrauen in meine Fähigkeit, mein (Haushalts-)Leben auf die Reihe zu kriegen. 
Als ich mal wieder bei der FLY Lady vorbeischaute, um mir gute Tipps zu holen, stieß ich auf einen Beitrag zum Thema Prokrastinieren. Der traf. Mir ging auf, dass es offensichtlich auch bei mir eine Verbindung zwischen Prokrastination und mangelnder Selbst-Liebe gibt. Auch wenn es schwer ist, das einzugestehen. Auch wenn andere vielleicht die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und ob dieser Über-Psychologisierung schnell das Weite suchen. Auch wenn es vielleicht nur die halbe Wahrheit ist. Aber in mir hat es was zum Klingen gebracht. Mir ging auf, dass vieles, was ich vor mir herschiebe, aus Angst oder Scham liegenlasse. Aus Angst, den Erwartungen nicht gerecht zu werden, aus Scham, weil es jetzt schon weit über der Deadline liegt. Aus Angst, das alles nicht zu schaffen, und daher am besten gleich zu resignieren. In Kombination mit diesem Beitrag kam ich zu dem Schluss, dass das, was mir vielleicht gerade am meisten fehlt, echte Selbstliebe und Selbst-Vergebung ist. Als Gegenpol zur Unterdrückung und Verdrängung von schlechten Gefühlen und Handlungsweisen. 
Und so habe ich mich heute zum ersten Mal seit sehr langer Zeit hingesetzt, und etwas nur für mich geschaffen. 

Filz Ring

aufnähen

Filz Ring

Der Schmetterling besteht aus rotem und gelben Filz. Auf die Flügel habe ich den Körper mit einfachen Stichen aufgenäht, die Flügel habe ich mir einem Knopflochstich umsäumt. Zuletzt habe ich die Fühler mit einfachen Rückstichen aufgestickt und die Flügel mit einigen Knötchenstichen (french knot) verziert. Den Schmetterling habe ich dann auf einem alten Ring angebracht, den ich mal auf dem Flohmarkt gekauft hatte. Es sind zwei Wildleder-Riemen, die durch eine Schlaufe zusammengehalten werden. Er eignete sich perfekt zum Aufnähen meines Schmetterlings. 

Talsiman

Auch wenn er etwas kindlich aussieht, es war eine Genugtuung, diesen Ring für mich selber zu basteln. Eine Art Talisman, der mich an heute erinnern soll. Ein Symbol für Veränderung und Selbst-Akzeptanz. 
Von mir für mich. 

11.05.15

Socken Stopfen

Maria hat ja die wunderbare Blog-Parade Fix it! initiiert. Reparieren ist tatsächlich eine sehr gute Möglichkeit, seinen Alltag sehr viel nachhaltiger zu gestalten. Müll wird vermieden, Material gespart, und nicht zuletzt wird einem der eigentliche Wert eines Gegenstandes erst so richtig bewusst, wenn wir ihn selber bearbeiten. 
Aber was ist mir Socken? Stinknormalen Baumwoll-Socken von Hasi&Mausi? Macht es heute überhaupt noch Sinn, Socken zu stopfen?

das Loch in der Socke

Erstens habe ich die hohe Kunst des Stopfens tatsächlich nie gelernt. Zweitens würde es, wenn ich es denn machte, sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Drittens wäre dann der Arbeitsaufwand im Verhältnis zur geretteten Socke sehr hoch. Umweltbewusstsein und Konsumverzicht hin oder her, so weit geht die Liebe dann doch nicht. - Oder?
Manchmal liebe ich es, Philosophin zu sein! Wir Philosophen machen aus allem eine Prinzipienfrage, und erheben auch etwas so beschämend Triviales wie ein Loch in der Socke zu einer ethischen Grundsatzfrage. Wenn die Maxime "Fix it!" gilt, dann gilt sie absolut. Da darf ich dann auch vor einer Socke nicht scheuen. Wenn mir hingegen der Arbeitsaufwand zu hoch erscheint, und ich daher die Socke nicht repariere sondern mir neue Strümpfe kaufe, dann gilt die Maxime "Fix it!" wohl doch nicht absolut. Es gibt dann eine Art Ausnahmeklausel: "Fix it! - Es sei denn, der Arbeitsaufwand ist zu hoch". Und hier liegt das Problem. Wann ist denn der Arbeitsaufwand zu hoch? Das ist ja recht subjektiv, und für viele ist der Arbeitsaufwand schon bei einer Jeanshose zu hoch. Welche Bewertungsmaßstäbe legen wir zugrunde, wenn wir zu hoch oder akzeptabel festlegen: Monetäre? Ideelle? Ökologische?
In unserer Gesellschaft herrscht ganz klar die ökonomische Rationalität. Eine kleine Rechnung:
Sagen wir, ich bekomme einen Mindestlohn von 8 Euro die Stunde. Meine Socke zu stopfen dauert etwa 15 Minuten. Die Socke erhält damit den Wert von 2 Euro ohne Material, wenn ich nur nach meinem Stundenlohn gehe. So gesehen kostet ein Paar Socken 4 Euro. Nun erinnere ich mich, dass ich meine Socken damals im Fünferpack für 8 Euro gekauft habe - eine Socke kostet also eigentlich nur 80cent. Ich zahle pro Stopf-Vorgang 1,20 Euro drauf. Somit handele ich (ökonomisch) irrational, wenn ich meine Socke stopfe, anstatt neue Socken zu kaufen. 
Quod erat demonstrandum: Genau dieser Mechanismus sorgt dafür, dass alle Welt nur noch wegschmeißt und neukauft, anstatt zu reparieren. Weil die Ware so billig ist, dass sich Reparieren nicht mehr lohnt, und weil wir ökonomische Nutzmaximierer sind. Und das ist das Problem mit nicht-absoluten Maximen.
"Fix it!" macht auch vor Socken nicht Halt. Das heißt aber nicht, dass man sich das Leben nicht trotzdem vereinfachen kann: Meine Socke kam kurzerhand unter die Maschine, so zusammengelegt, dass das Loch "weggefaltet" war, zweimal rübergesteppt, fertig! Geschätzte Zeit: 2 Minuten. Also durchaus noch rational. Das Ergebnis hält bestimmt nicht für die Ewigkeit, aber es ist erstaunlich unauffällig. Und wenn ich meinen Socken damit das Leben ein wenig verlängere, dann hat es schon seinen Zweck erfüllt. 

Socken Stopfen

Loch wegfalten

zickzacksticke und steppen


Socken stopfen vorher nachher

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verlinkt bei: fix it - reparieren ist nachhaltig, Einfach.nachhaltig.besser.leben (Einab)

[Einab] im Mai

Als wir die Link-Part einfach.nachhaltig.besser.leben [Einab] gestartet hatten, hoffte ich, dass ein paar Leutchen ihre Beiträge teilen, ein paar BloggerInnen sich verlinken und vielleicht ein paar mehr Leser auch auf meinen Blog finden. Ich hatte nicht mit dem wahrhaft überwältigendem Erfolg gerechnet (wenn auch natürlich stillschweigend erhofft). 54 Beiträge in einem Monat, im ersten Durchlauf, das sind fast zwei Beiträge am Tag. Ich kann es nicht anders sagen: Ich bin geplättet! 

Ich danke Euch allen von ganzem Herzen! 

Allen, die mitgemacht haben und wieder mitmachen wollen. Und meinen wunderbaren Mit-Bloggerinnen, Zora, Maria, Marlene und die liebe Zwergenmama, die gemeinsam mit mir dieses Projekt ins Leben gerufen haben. 
Die Link-Parade sollte ein Stein des Anstoßes werden, um über mehr Nachhaltigkeit und alternative Lebensweisen im Alltag nachzudenken. Wir dachten uns, dass es doch viele Blogger und Bloggerinnen gibt, die sich mit solchen Themen auseinander setzen, und dass es doch schön wäre, diese Leute "an einen Tisch" zu holen. Wir wollten vernetzen, informieren, Kontakte knüpfen und generell einen Platz schaffen, in dem sich jeder über grüne Themen austauschen kann. Ich denke, das ist gelungen. 
Nur gemeinsam wird sich eine Veränderung in dieser Welt einstellen. Und zu sehen und zu erfahren, dass es viele Menschen gibt, die genau an dieser Veränderung mitwirken und dass wir einen Platz anbieten können, an dem sich ihre Ideen sammeln können, ist einfach wunderbar!
Ich freue mich sehr auf die zweite Runde, die im wunderschönen Monat Mai bei der Zwergenmama gehostet wird. Also dann, auf ein Neues!


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