30.10.15

Organisiert Leben 2 - Von den Freuden und Leiden, eine SHE zu sein


- Teil 2 der Fly-Serie -

Begonnen hat wohl alles in den 80ern in den USA. Pam Young und Peggy Jones, zwei Schwestern, liebevoll die "Slob Sisters" genannt, haben den Bestseller Sidetracked Home Executives veröffentlicht und sind damit zu einem Klassiker der Haushaltsführungs-Literatur geworden. Ihr System basierte auf farblich sortierten Karteikärtchen, auf denen die jeweiligen Aufgaben standen. Vielen hat diese Herangehensweise geholfen - so auch Marla Cilley, die dereinst die FlyLady werden sollte.

Doch bevor wir uns den höheren Weihen des Fly-Systems annähern, möchte ich das emotional Besondere an Cilleys und Youngs Ansatz hervorheben.
Der Titel "Sidetracked Home Executives" ist nicht zufällig gewählt. Neben dem neckischen Akronym SHE beinhaltet dieser Name für alle mis-organisierten Damen und Herren Folgendes: Wir sind Manager des eigenen Haushaltes. Aber, so sehr wir uns auch bemühen, irgendwas kommt immer dazwischen, wir werden abgelenkt (sidetracked).
Young und Cilley bezeichnen sich selbst als SHEs. Cilley sagt einmal, dass sie genau weiß, wenn sie drei Tage mal nicht aufräumt, explodiert ihr Haus. Als ich das gelesen hatte, konnte ich mich innerlich nur bedanken: Was für eine Erleichterung, dass es diesen "Heldinnen" des Organisiert-seins genauso geht wie uns allen anderen auch. Neben den SHEs gibt es noch die BOPs: Born Organized Persons! Also, ich bin definitiv keine born organized person, und das System der FlyLady ist genau für Leute wie mich: von SHEs für SHEs.

Warum diese Spielerei mit Abkürzungen und Bezeichnungen? Was ein bisschen albern anmutet hat eine tiefere Botschaft: Es ist okay, wenn man nicht als perfekt organisierter Mensch auf die Welt kommt. Es gibt solche und solche, man muss keine BOP sein! Es ist total okay, wenn man immer wieder abgelenkt wird, das ist kein Makel sondern Zeichen für Kreativität*. Schluss mit dem: "Nimm Dir einfach vor, es anders zu machen, dann schaffst du das schon." Ganz ehrlich: Durch Fest-Vornehmen hat sich bei mir noch nie was verändert! Das ist ja genau der Punkt: Bessere Selbstorganisation lässt sich nicht durch festen Willen erreichen, dazu fehlt - die Selbstorganisation. Daher funktionieren alle Pläne, Listen und guten Vorsätze nicht: Sie überfordern die SHE in mir und danach habe ich nur ein schlechtes Gewissen, weil ich mal wieder nichts geschafft habe und meine eigenen Vorsätze mal wieder nicht eingehalten habe. Das FlyLady-System beginnt genau an diesem Punkt: Beim schlechten Gewissen, dass man es immer noch nicht schafft, ein perfekt organisiertes Leben zu führen. Dass man eben keine BOP ist. Die Hauptbotschaft lautet: Stop beating yourself up! Hör endlich auf, dich selbst runterzumachen für die Art und Weise wie Du (nicht) aufräumst. Wir können den Rucksack, den jeder von uns durch das Leben trägt, nicht ändern, nur unsere Einstellung dazu. Durch Selbstvorwürfe wird niemand eine organisierte Person.

SHEs sind Perfektionisten, dabei sehr kreativ, und eigentlich haben wir alle Voraussetzungen, um ein glückliches, erfülltes Leben zu führen. Wenn wir uns nicht durch unseren Perfektionismus immer wieder ein schlechtes Gewissen machen lassen würden (ich schaff dies-oder-jenes nicht perfekt, also lass ich es ganz). Das Einzige, was wir tun müssten, ist uns selbst liebevoll an die Hand zu nehmen, uns sagen, dass alles gut ist, auch wenn wir nicht in 2 Tagen die komplette Wohnung auf Hochglanz gebracht haben, und uns einfach die Erlaubnis geben, langsam zu machen. Was SHEs nicht brauchen, ist der berüchtigte "Tritt in den Allerwertesten" - wie unhöflich kann man zu sich selbst eigentlich sein? Nicht umsonst ist das Backronym für FLY: Finally Loving Yourself.

Ich brauche nicht den tausendsten "Krempel Dein Leben um in 30 Tagen" Ratgeber, von einer BOP geschrieben, der nur Überforderung und schlechtes Gewissen hervorruft. Ich brauche den Seelenstreichler: Mach langsam, ist nicht schlimm, trink erstmal 'nen Tee, hör auf, dich verrückt zu machen. Das ist für mich das Besondere am FlyLady-System. Und nur deswegen kann ich dabei bleiben und es für mich nutzbar machen.


Weiterlesen: Teil 1, Teil 3 


* In ihrem neuen Buch "The Joy of being disorganized" zeigt Pam Young die positiven Aspekte des Unorganisiert-seins und fordert dazu auf, nur genau so viel Organisation ins Leben hineinzutragen, dass man immer noch die kreativen, spontaten, unorganisierten Seiten genießen kann.

20.10.15

Organisiert Leben 1 - Die Suche nach dem richtigen System


- Teil 1 der Fly-Serie -

Ich habe ja schon angelegentlich erwähnt, dass Ordnung und Organisieren so gar nicht meine Stärken sind. Warum, das habe ich mich immer wieder gefragt. Ich habe sinniert und analysiert, habe mir vorgenommen, organisiert zu werden, aber die bloße Theorie hilft eben nicht weiter. Was ich brauche, sind konkrete Handlungsrichtlinien, an die ich mich klammern kann, wenn mein Gedankenkartenhaus in sich zusammenfällt.  Ein System, das mir da Halt gibt, wo meine mangelnde Selbst-Organisation es nicht schafft.
Und - ich habe das richtige System für mich gefunden: Die FlyLady. Ich hatte sie schon in einem Post im April vorgestellt. Zuerst schreckte mich diese aufdringliche amerikanische "You-can-do-it!"-Mentalität etwas ab, die Website selber sieht ziemlich schlimm aus und das Cartoon-Maskottchen könnte mich eigentlich direkt dazu bewegen, die Seite zu verlassen und nie wieder zu kehren. 

Das Maskottchen der FlyLady

Aber, "never judge a book by its cover", und ich habe mir zunächst von ihrer Website nur die Dinge rausgesucht, die mir gerade hilfreich erschienen (was, wie ich nun weiß, natürlich ganz in ihrem Sinne ist). Ein paar Tage später hatte ich eine Morgen- und eine Abend-Routine etabliert, an die wir uns noch heute halten. Im Sommer waren wir ja lange nicht zu Hause, und erst seit ein paar Wochen haben wir unsere Routinen wieder wirklich aufgenommen und ich habe das System weiter für mich nutzbar gemacht. 
Es funktioniert! Es funktioniert wirklich! Mein Verhalten in Bezug auf Aufräumen hat sich so sehr verändert, dass ich mich frage, wie das passieren konnte. Wo die Abend-Routine am Anfang noch 20 Minuten dauerte, dauert sie jetzt vielleicht die Hälfte. Und letztes Wochenende hatten wir den Härtetest: Besuch von 2 Freunden und meinem Bruder. Drei zusätzliche Leute in unserer 70 qm Wohnung - eine Herausforderung. Und siehe da: Wir sind NICHT im Chaos versunken, die Küche war KEIN einziger klebriger Schmutzfleck, und am Sonntag Abend, als der Besuch wieder gegangen war, war die Wohnung innerhalb weniger Minuten wieder SAUBER!

Je mehr ich mich mit dem System auseinandersetze, und vor allem, je mehr ich über Marla Cilley, die FLYlady, und ihre "Mentorin" Pam Young erfahre, desto tiefer kann ich mich identifizieren mit diesem System und kann diese beiden charmanten, lustigen und auch wirklich weisen Personen als meine Vorbilder und Idole in mein Leben integrieren. Ich weiß wie sehr das jetzt nach Pathos und neuer heilsversprechenden Religion klingt. Ich wundere mich auch ein bisschen über mich selber, dass ein Internet-Phänomen so einen Einfluss auf mich haben kann. Und wer weiß, vielleicht sehe ich in wenigen Monaten die ganze Sache wieder kritischer. Aber heute nutzt es mir viel und das ist das Entscheidende für mich im Moment. 

(c) LCDF

Hier möchte ich eine kleine Post-Serie über das System der FlyLady beginnen. Warum funktioniert gerade dieses System für mich und was davon übernehme ich in meinen Alltag? Wie der Amerikaner sagen würden: Stay tuned for more! ;-)

Weiterlesen: Teil 2, Teil 3 der Fly-Serie

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