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14.12.15

Organisiert Leben 4 - Die systematische Betrachtung

- Teil 4 der Fly-Serie - 


Im dritten Teil habe ich die zeitliche Einteilung der FlyLady-Haushaltsführung erklärt. Folgt nun die räumliche: 

Der Wohnraum wird in mehrere Ebenen unterteilt:

* Zonen
* Hot-Spots
* "Shiny sink"

Zonen:
Zonen bilden die grundlegende Einteilung der Wohnung. Hier gibt Pam Young eine Einleitung zu den Zonen. Das hier sind Fly Ladys Zonen. Der Sinn hinter den Zonen ist ganz klar: fokussiert bleiben. Für uns ablenkungsgefährdete SHEs sehr hilfreich. Wie gesagt findet in den Zonen die Tiefenreinigung statt. Aber zunächst wird jede Zone entrümpelt (dazu später).


Hot-Spots:
Dort, wo sich unwiderstehlich alles Zeug sammelt, die Orte, die nach 5 Minuten wieder komplett zugemüllt sind - das sind unsere Brandherde (Hot-Spots). Es gibt mehrere Brandherde in einer Wohnung, und Teil jeder Abend-Routine sollte es sein, die Hot-Spots freizuräumen.


"Shiny sink":
Was Cilley über die Shiny sink zu sagen hat, gleicht einem Mantra: Shine your sink! (Bringe Deine Spüle zum Glänzen). Warum gerade die Spüle? Simpel: Irgendwo muss man ja anfangen. Anderswo sagt sie, dass jeder Raum seine eigene "glänzende Spüle" hat - der Bereich, der einen ganzen Raum entweder unordentlich oder aufgeräumt erscheinen lässt. Im Schlafzimmer ist es das Bett, im Wohnzimmer vielleicht der Esstisch, und in der Küche eben die Spüle. Diese Orte frei zu halten ist neben den Hot-Spots vielleicht das Wichtigste an unseren Routinen.

Damit ist die Systematisierung des "Lebensraums" Haushalt erstmal komplett. Wie wir uns nun durch diese Räume arbeiten können, sie in (einigermaßen akzeptabler) Ordnung halten können, bespreche ich im nächsten Teil. Dort wird es um die Werkzeuge gehen, die uns Flugaspiranten an die Hand gegeben werden, um durch den Tag zu fliegen...

Noch ein letztes Wort zum Sinn oder Unsinn dieser Fly-Serie: Wie oben beschrieben, ist die erste Aufgabe, die ein junger Flugaspirant bekommt, das Entrümpeln der Wohnung (declutter). Jeder von uns hat einfach SO. VIEL. ZEUG! Das Entrümpeln zeigt in zwei Richtungen: erstens wird die Wohnung ordentlicher und einfacher zu pflegen (Cilley: You can't organize clutter, you can only get rid of it!), zweitens werden wir uns darüber bewusst, was wir alles haben, und das wir eigentlich so Vieles gar nicht brauchen. Entrümpeln ist immer der erste Schritt in Richtung minimalistisches Leben. Insofern passt eine Serie über Haushaltsführung und Ordnung-Halten meiner Meinung nach perfekt zu einer nachhaltigen, minimalistischen Lebensführung. 

Was denkt ihr? Hinterlasst einen Kommentar, wenn Euch was unklar ist, etwas fehlt oder ihr anderer Meinung seid. Ich freue mich auf Austausch!

10.11.15

Organisiert Leben 3 - Das FLY-System, eine systematische Betrachtung

- Teil 3 der Fly-Serie

Und weiter geht's! Da wir ja nun in der Theorie wissen, dass wir uns weder krummlegen noch 14 Stunden am Tag Staubwedel und Besen schwingen müssen, um jederzeit eine präsentable Wohnung zu haben, fragt sich nur noch, wie das praktisch zu erreichen sein soll.

Ich werde das Ganze mal sehr systematisch präsentieren. Zum einen, weil ich hier einen Mehrwert zur Homepage bieten möchte (die ich ziemlich unübersichtich finde) und für manchen ein bisschen mehr Systematik im System hilfreich wäre. Zum anderen, weil sich das Fly-System nachgeradezu aufdrängt, systematisch dargestellt zu werden - es ist so wunderbar einfach strukturiert, das ist auch der Grund, warum es so wunderbar funktioniert. Und zuletzt möchte mein Akademiker-Hirn einfach allem und jedem ein System überstülpen - was soll man machen ;)
Also, auf zur Wissenschaft der Haushaltsführung!

Zunächst unterscheiden wir zwei Ebenen: Zeitlich und Räumlich.

1. Zeitliche Ebene

Alle anfallenden Aufgaben werden ihrer Frequenz entsprechend geordnet:

  • täglich
  • wöchentlich
  • monatlich
  • (viertel-jährlich)
  • jährlich

Täglich:
Aus den täglich anfallenden Aufgaben ergeben sich unsere Routinen. Routinen sind das hilfreichste und erfolgreichste Werkzeug, das uns die Fly-Lady an die Hand gibt. An verschiedenen Stellen (hier, hier) schreibt und spricht sie darüber, und eigentlich ist es ganz einfach: Täglich einen gewissen Grad an Ordnung aufrecht erhalten, und es wird nie mehr Hau-Ruck-Aufräum-Aktionen geben.
Es gibt am Tag 2, bzw. 3 Routinen, ja nachdem, was für den Flugaspiranten hilfreich ist. Hier findet ihr meine Routinen (die schon im April einigermaßen standen).*

Wöchentlich:
Die wöchentlichen Aufgaben werden als Daily Focus zusammengefasst. Dabei muss es sich nicht immer um konkrete Aufgaben handeln. Oft sind es nur Themen, unter denen ein Tag steht (so wie der Anti-Prokrastinations-Tag, what a day!)

Monatlich:
Jeder Woche des Monats wird eine Zone zugeordnet. Zonen sind neben den Routinen das zweite wichtige Element des Fly-Systems. Der Monat hat 5 Wochen - drei komplette und 2 halbe je am Anfang und Ende des Monats. Das heißt, das Haus oder die Wohnung kann in 5 Zonen aufgeteilt werden. Hier nun wird die Tiefenreinigung angesiedelt, die über das tägliche Sauberhalten hinausgeht: Unter den Schränken saugen, Schränke auswaschen. ... was auch immer dem Flugaspiranten in dem Sinn kommt. Das Gute ist, dass man 5 Tage Zeit für die Grundreinigung hat (die Wochenenden sind frei, yippieh!). Mehr als eine viertel Stunde am Tag muss man also auch hier eigentlich gar nicht machen. Die Grundreinigung wird also in tägliche Missionen in der jeweiligen Zone eingeteilt. Bis jetzt halte ich mich noch gar nicht an die Vorschläge auf der Website, sondern erstelle meine eigenen, je nachdem, was mir am Wichtigsten erscheint. Meine aktuellen Zone-Missions findet ihr hier.*


Jährlich:
Ganz klar zählen hier die jahreszeitlichen Aktivitäten hinein, wie Weihnachts-Vorbereitungen (grade das Thema auf der Fly-Seite). Hier muss ich noch Erfahrung sammeln, um darüber berichten zu können, so lange bin ich ja auch noch nicht dabei.


Im nächsten Teil dann erzähle ich etwas zu der räumlichen Einteilung und dann sollte das System hoffentlich etwas klarer geworden sein.

Weiterlesen: Teil 1Teil 2

* Kommt in Bälde...

30.10.15

Organisiert Leben 2 - Von den Freuden und Leiden, eine SHE zu sein


- Teil 2 der Fly-Serie -

Begonnen hat wohl alles in den 80ern in den USA. Pam Young und Peggy Jones, zwei Schwestern, liebevoll die "Slob Sisters" genannt, haben den Bestseller Sidetracked Home Executives veröffentlicht und sind damit zu einem Klassiker der Haushaltsführungs-Literatur geworden. Ihr System basierte auf farblich sortierten Karteikärtchen, auf denen die jeweiligen Aufgaben standen. Vielen hat diese Herangehensweise geholfen - so auch Marla Cilley, die dereinst die FlyLady werden sollte.

Doch bevor wir uns den höheren Weihen des Fly-Systems annähern, möchte ich das emotional Besondere an Cilleys und Youngs Ansatz hervorheben.
Der Titel "Sidetracked Home Executives" ist nicht zufällig gewählt. Neben dem neckischen Akronym SHE beinhaltet dieser Name für alle mis-organisierten Damen und Herren Folgendes: Wir sind Manager des eigenen Haushaltes. Aber, so sehr wir uns auch bemühen, irgendwas kommt immer dazwischen, wir werden abgelenkt (sidetracked).
Young und Cilley bezeichnen sich selbst als SHEs. Cilley sagt einmal, dass sie genau weiß, wenn sie drei Tage mal nicht aufräumt, explodiert ihr Haus. Als ich das gelesen hatte, konnte ich mich innerlich nur bedanken: Was für eine Erleichterung, dass es diesen "Heldinnen" des Organisiert-seins genauso geht wie uns allen anderen auch. Neben den SHEs gibt es noch die BOPs: Born Organized Persons! Also, ich bin definitiv keine born organized person, und das System der FlyLady ist genau für Leute wie mich: von SHEs für SHEs.

Warum diese Spielerei mit Abkürzungen und Bezeichnungen? Was ein bisschen albern anmutet hat eine tiefere Botschaft: Es ist okay, wenn man nicht als perfekt organisierter Mensch auf die Welt kommt. Es gibt solche und solche, man muss keine BOP sein! Es ist total okay, wenn man immer wieder abgelenkt wird, das ist kein Makel sondern Zeichen für Kreativität*. Schluss mit dem: "Nimm Dir einfach vor, es anders zu machen, dann schaffst du das schon." Ganz ehrlich: Durch Fest-Vornehmen hat sich bei mir noch nie was verändert! Das ist ja genau der Punkt: Bessere Selbstorganisation lässt sich nicht durch festen Willen erreichen, dazu fehlt - die Selbstorganisation. Daher funktionieren alle Pläne, Listen und guten Vorsätze nicht: Sie überfordern die SHE in mir und danach habe ich nur ein schlechtes Gewissen, weil ich mal wieder nichts geschafft habe und meine eigenen Vorsätze mal wieder nicht eingehalten habe. Das FlyLady-System beginnt genau an diesem Punkt: Beim schlechten Gewissen, dass man es immer noch nicht schafft, ein perfekt organisiertes Leben zu führen. Dass man eben keine BOP ist. Die Hauptbotschaft lautet: Stop beating yourself up! Hör endlich auf, dich selbst runterzumachen für die Art und Weise wie Du (nicht) aufräumst. Wir können den Rucksack, den jeder von uns durch das Leben trägt, nicht ändern, nur unsere Einstellung dazu. Durch Selbstvorwürfe wird niemand eine organisierte Person.

SHEs sind Perfektionisten, dabei sehr kreativ, und eigentlich haben wir alle Voraussetzungen, um ein glückliches, erfülltes Leben zu führen. Wenn wir uns nicht durch unseren Perfektionismus immer wieder ein schlechtes Gewissen machen lassen würden (ich schaff dies-oder-jenes nicht perfekt, also lass ich es ganz). Das Einzige, was wir tun müssten, ist uns selbst liebevoll an die Hand zu nehmen, uns sagen, dass alles gut ist, auch wenn wir nicht in 2 Tagen die komplette Wohnung auf Hochglanz gebracht haben, und uns einfach die Erlaubnis geben, langsam zu machen. Was SHEs nicht brauchen, ist der berüchtigte "Tritt in den Allerwertesten" - wie unhöflich kann man zu sich selbst eigentlich sein? Nicht umsonst ist das Backronym für FLY: Finally Loving Yourself.

Ich brauche nicht den tausendsten "Krempel Dein Leben um in 30 Tagen" Ratgeber, von einer BOP geschrieben, der nur Überforderung und schlechtes Gewissen hervorruft. Ich brauche den Seelenstreichler: Mach langsam, ist nicht schlimm, trink erstmal 'nen Tee, hör auf, dich verrückt zu machen. Das ist für mich das Besondere am FlyLady-System. Und nur deswegen kann ich dabei bleiben und es für mich nutzbar machen.


Weiterlesen: Teil 1, Teil 3 


* In ihrem neuen Buch "The Joy of being disorganized" zeigt Pam Young die positiven Aspekte des Unorganisiert-seins und fordert dazu auf, nur genau so viel Organisation ins Leben hineinzutragen, dass man immer noch die kreativen, spontaten, unorganisierten Seiten genießen kann.

20.10.15

Organisiert Leben 1 - Die Suche nach dem richtigen System


- Teil 1 der Fly-Serie -

Ich habe ja schon angelegentlich erwähnt, dass Ordnung und Organisieren so gar nicht meine Stärken sind. Warum, das habe ich mich immer wieder gefragt. Ich habe sinniert und analysiert, habe mir vorgenommen, organisiert zu werden, aber die bloße Theorie hilft eben nicht weiter. Was ich brauche, sind konkrete Handlungsrichtlinien, an die ich mich klammern kann, wenn mein Gedankenkartenhaus in sich zusammenfällt.  Ein System, das mir da Halt gibt, wo meine mangelnde Selbst-Organisation es nicht schafft.
Und - ich habe das richtige System für mich gefunden: Die FlyLady. Ich hatte sie schon in einem Post im April vorgestellt. Zuerst schreckte mich diese aufdringliche amerikanische "You-can-do-it!"-Mentalität etwas ab, die Website selber sieht ziemlich schlimm aus und das Cartoon-Maskottchen könnte mich eigentlich direkt dazu bewegen, die Seite zu verlassen und nie wieder zu kehren. 

Das Maskottchen der FlyLady

Aber, "never judge a book by its cover", und ich habe mir zunächst von ihrer Website nur die Dinge rausgesucht, die mir gerade hilfreich erschienen (was, wie ich nun weiß, natürlich ganz in ihrem Sinne ist). Ein paar Tage später hatte ich eine Morgen- und eine Abend-Routine etabliert, an die wir uns noch heute halten. Im Sommer waren wir ja lange nicht zu Hause, und erst seit ein paar Wochen haben wir unsere Routinen wieder wirklich aufgenommen und ich habe das System weiter für mich nutzbar gemacht. 
Es funktioniert! Es funktioniert wirklich! Mein Verhalten in Bezug auf Aufräumen hat sich so sehr verändert, dass ich mich frage, wie das passieren konnte. Wo die Abend-Routine am Anfang noch 20 Minuten dauerte, dauert sie jetzt vielleicht die Hälfte. Und letztes Wochenende hatten wir den Härtetest: Besuch von 2 Freunden und meinem Bruder. Drei zusätzliche Leute in unserer 70 qm Wohnung - eine Herausforderung. Und siehe da: Wir sind NICHT im Chaos versunken, die Küche war KEIN einziger klebriger Schmutzfleck, und am Sonntag Abend, als der Besuch wieder gegangen war, war die Wohnung innerhalb weniger Minuten wieder SAUBER!

Je mehr ich mich mit dem System auseinandersetze, und vor allem, je mehr ich über Marla Cilley, die FLYlady, und ihre "Mentorin" Pam Young erfahre, desto tiefer kann ich mich identifizieren mit diesem System und kann diese beiden charmanten, lustigen und auch wirklich weisen Personen als meine Vorbilder und Idole in mein Leben integrieren. Ich weiß wie sehr das jetzt nach Pathos und neuer heilsversprechenden Religion klingt. Ich wundere mich auch ein bisschen über mich selber, dass ein Internet-Phänomen so einen Einfluss auf mich haben kann. Und wer weiß, vielleicht sehe ich in wenigen Monaten die ganze Sache wieder kritischer. Aber heute nutzt es mir viel und das ist das Entscheidende für mich im Moment. 

(c) LCDF

Hier möchte ich eine kleine Post-Serie über das System der FlyLady beginnen. Warum funktioniert gerade dieses System für mich und was davon übernehme ich in meinen Alltag? Wie der Amerikaner sagen würden: Stay tuned for more! ;-)

Weiterlesen: Teil 2, Teil 3 der Fly-Serie

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