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05.05.16

Wo beginnen beim Bullet Journal?

Die Basics sind bekannt und es brennt dir unter den Nägeln, endlich mit dem eigenen Bullet Journal zu beginnen. Das Inhaltsverzeichnis, die Legende und evtl. die Jahresübersicht stehen - doch was jetzt? Wie geht es weiter?
Die Idee des Bullet Journal ist es, die ganzen Dinge, die wir erledigen und an die wir denken müssen, an einem zentralen Ort zu sammeln und daraus unsere täglichen To-Do-Listen zu erstellen. Daher bietet es sich an, ganz am Anfang des ersten Bullet Journals (und immer mal wieder zwischen drin) ein Brain-Dump zu machen. Die Idee habe ich übrigens von Boho Berry.
Ein Brain-Dump (zu deutsch etwas unschön "Gehirnmüllhalde") ist einfach eine Seite, auf die du alle die Aufgaben niederschreibst, die dir gerade durch den Kopf gehen. Das geht von Boden wischen über Kollegen anrufen bis hin zu Zähne putzen. Was auch immer bei dir im Hirn rumhängt: Lass es raus! 

Bullet Journal - where to start?

rapid logging

Das Brain Dump ist mein bester Freund in meinem Bullet Journal. Egal was ich gerade mache - kochen, arbeiten, spazieren gehen - sobald mir ein To-Do einfällt, schreibe ich es ins Brain Dump. Auch andere Notizen oder einfach nur Sprüche notiere ich dort. Regelmäßig wird dann die Seite aussortiert, d.h. die Aufgaben wandern entweder in ein Daily, in die Monatsübersicht oder in eine Kollektion. Die Notizen werden weiter verwendet, wenn Sie relevant sind oder gestrichen, wenn nicht.
Ich benenne die Brain Dumps nach Monaten. Wenn alle Aufgaben und Infos von der Doppelseite prozessiert worden sind, d.h. verschoben oder gestrichen, wird das Brain Dump geschlossen. Dafür steht der kleine Signifier in der Ecke oben links.

The first Brain dump in the new BuJo

closed brain dump

Und du? Wie kriegst du den Kopf frei?

alles liebe, 
frederike

30.04.16

Bullet Journal - Die Basics

Der Zauber am Bullet Journal ist seine Einfachheit. Es besteht aus drei zentralen Elementen: dem Inhaltsverzeichnis, der Legende und den Tageslisten (Dailies).
Das Inhaltsverzeichnis ist der Referenzort Nummer 1 im Bullet Journal. Auch wenn es zu Beginn nicht so aussieht - die Seiten füllen sich schnell! Um unnötiges Suchen zu vermeiden, ist der Index unerlässlich. 

Bullet Journal Index

Der Name "Bullet Journal" stammt von den Bullets, also den Aufzählungszeichen, die man nutzt, um seine To-Dos aufzulisten. Ich habe die vier grundlegenden übernommen und noch einige hinzugefügt, die mir hilfreich erscheinen. Die Symbole weiter unten nutze ich, um Notizen zu markieren.

Bullet Journal Key

Bullet Journal Bullet Signs

Das Original Bullet Journal empfiehlt auch noch das Future Log, also eine Jahresübersicht. Ich habe einen Jahreskalender angelegt, aber nutze ihn nicht. Stattdessen nutze ich für meine langfristigen Planungen, die über einen Monat hinausgehen, nach wie vor meinen Taschen-Kalender. 

Bullet Journal Future Log

Und zu guter Letzt ein Beispiel von einem Daily. In mein A5 Notizbuch passen vier bis fünf Tage auf eine Doppelseite. Ihr seht, ich bin noch nicht ganz konsistent, was meinen Datums-Header anbetrifft. Auch sind einiges To-Dos nicht erledigt - so ist das eben.

Bullet Journal Daily

Daily close-up

alles liebe, 
eure frederike

26.04.16

Wieder da! Mit neuem Konzept?

Hallo da draußen!

Es geht weiter hier im Zwischengeflecht. Im Januar wurde meine zweite Tochter geboren und ab da lagen erst einmal alle Maschinen still. Ich habe auch daran gedacht, einfach aufzuhören mit dem Bloggen. Aber jedes Mal, wenn ich ein neues Handarbeitsprojekt fertig gestellt hatte, oder ich eine neue Idee hatte, kam sofort der Gedanke: Das solltest Du auf dem Blog teilen! Und dann kam der zweite Gedanke: Oh, der lebt ja quasi nicht mehr...

Not any more! Ich habe beschlossen, weiter zu machen. Aber anders. In den letzten Monaten hat sich mein Fokus verändert vom Homesteading hin zur Selbstorganisation und Zeitmanagement - was ja dem Homesteading in gewisser Weise vorgelagert ist. Erstmal laufen lernen, bevor man rennen kann, nicht wahr? Ich merke, dass ich mit meiner Zeit haushalten muss - rigoros. Und hier möchte ich teilen, wie ich das angehe.
Ich habe das Gefühl, dass Euch, liebe LeserInnen, das vielleicht ansprechen könnte. Immerhin habe ich zur FlyLady-Serie viel Feedback erhalten. Das bestärkt mich darin, das all wir kreativen Weltretterinnen immer wieder mit Organisation und Management hadern. Darüber möchte ich von nun an stärker schreiben.
Aber auch das Format wird sich ändern. Ich hatte ja schon einmal überlegt, dass ich deutlich weniger schreiben sollte. Leider habe ich aber keine Alternative zu ellenlangen, ausführlichen und emotionalen Posts gefunden (ich bin kein Mensch der wenigen Worte). Nun, ich tüftel an einem Konzept für mich, das Euch hoffentlich auch anspricht.

Was sagt ihr? Würden Euch die Themen Selbstorganisation und Zeitmanagement für grüne Köpfe interessieren?

14.12.15

Organisiert Leben 4 - Die systematische Betrachtung

- Teil 4 der Fly-Serie - 


Im dritten Teil habe ich die zeitliche Einteilung der FlyLady-Haushaltsführung erklärt. Folgt nun die räumliche: 

Der Wohnraum wird in mehrere Ebenen unterteilt:

* Zonen
* Hot-Spots
* "Shiny sink"

Zonen:
Zonen bilden die grundlegende Einteilung der Wohnung. Hier gibt Pam Young eine Einleitung zu den Zonen. Das hier sind Fly Ladys Zonen. Der Sinn hinter den Zonen ist ganz klar: fokussiert bleiben. Für uns ablenkungsgefährdete SHEs sehr hilfreich. Wie gesagt findet in den Zonen die Tiefenreinigung statt. Aber zunächst wird jede Zone entrümpelt (dazu später).


Hot-Spots:
Dort, wo sich unwiderstehlich alles Zeug sammelt, die Orte, die nach 5 Minuten wieder komplett zugemüllt sind - das sind unsere Brandherde (Hot-Spots). Es gibt mehrere Brandherde in einer Wohnung, und Teil jeder Abend-Routine sollte es sein, die Hot-Spots freizuräumen.


"Shiny sink":
Was Cilley über die Shiny sink zu sagen hat, gleicht einem Mantra: Shine your sink! (Bringe Deine Spüle zum Glänzen). Warum gerade die Spüle? Simpel: Irgendwo muss man ja anfangen. Anderswo sagt sie, dass jeder Raum seine eigene "glänzende Spüle" hat - der Bereich, der einen ganzen Raum entweder unordentlich oder aufgeräumt erscheinen lässt. Im Schlafzimmer ist es das Bett, im Wohnzimmer vielleicht der Esstisch, und in der Küche eben die Spüle. Diese Orte frei zu halten ist neben den Hot-Spots vielleicht das Wichtigste an unseren Routinen.

Damit ist die Systematisierung des "Lebensraums" Haushalt erstmal komplett. Wie wir uns nun durch diese Räume arbeiten können, sie in (einigermaßen akzeptabler) Ordnung halten können, bespreche ich im nächsten Teil. Dort wird es um die Werkzeuge gehen, die uns Flugaspiranten an die Hand gegeben werden, um durch den Tag zu fliegen...

Noch ein letztes Wort zum Sinn oder Unsinn dieser Fly-Serie: Wie oben beschrieben, ist die erste Aufgabe, die ein junger Flugaspirant bekommt, das Entrümpeln der Wohnung (declutter). Jeder von uns hat einfach SO. VIEL. ZEUG! Das Entrümpeln zeigt in zwei Richtungen: erstens wird die Wohnung ordentlicher und einfacher zu pflegen (Cilley: You can't organize clutter, you can only get rid of it!), zweitens werden wir uns darüber bewusst, was wir alles haben, und das wir eigentlich so Vieles gar nicht brauchen. Entrümpeln ist immer der erste Schritt in Richtung minimalistisches Leben. Insofern passt eine Serie über Haushaltsführung und Ordnung-Halten meiner Meinung nach perfekt zu einer nachhaltigen, minimalistischen Lebensführung. 

Was denkt ihr? Hinterlasst einen Kommentar, wenn Euch was unklar ist, etwas fehlt oder ihr anderer Meinung seid. Ich freue mich auf Austausch!

09.12.15

Einab im Dezember - Filz-Korb DIY


Und wieder einmal darf ich stolze Gastgeberin der Blog-Parade "Einfach.nachhaltig.besser.leben" [Einab] sein! Maria, Marlene, Zora, die Zwergenmama und ich wollen dem Thema Nachhaltigkeit eine breitere Basis verschaffen und BloggerInnen mit grünen Themen über unsere Blog-Parade vernetzen. Wie das bisher aussah könnt ihr auf Pinterest nachschauen. Mehr Infos findet ihr hier. Mitmachen kann wie immer jeder mit eigenem Blog: einfach unten über Inlinkz selbstständig verlinken (bitte achtet auf den korrekten Backlink). Eine neue Pinterest-Wand wird es auch geben. 

Mit meinem ersten Einab-Beitrag bin ich erst einmal sehr unweihnachtlich unterwegs. Wie meine letzten Beiträge zeigen, bin ich ja gerade zum Ordnungs-Apostel geworden (Teil 1, Teil 2, Teil 3). Im Zuge der Ordnerei fiel mir auf einmal auf, dass in meiner Wohnung ein frappierender Mangel an Ordnungssystemen (Körben, Kisten, Schachteln, ...) herrscht. Wer hätt's gedacht: Um Ordnung zu halten, braucht man Dinge, mit denen man Ordnung halten kann! Vor allem meine Schubladen und Schränke sind diesbezüglich in einem desolaten Zustand: Alles wird mehr oder minder hineingeschoben oder -gelegt, in der Hoffnung, dass das Krempel-Tetris den ersten Versuch, etwas herauszuziehen, überlebt. Nun, dem soll nun ein Ende gesetzt werden. Aber weil ich erstens zu geizig sparsam bin, um mir Unmengen an fancy-schmancy Körbchen und Kistchen zu kaufen, und weil zweitens solche Körbchen und Kistchen bei den üblichen Händlern kaum nachhaltig, fair und plastikfrei produziert werden, mache ich sie mir selber. Den Anfang macht dieses wunderbare, weil unübertroffen einfache Filz-Körbchen.

Filz-Korb selber machen

Zugegeben, "from scratch" kann man diese Kiste nicht machen. Man benötigt ein viereckiges Stück dicken Filz. Ich vermute aber, dass sehr dicker oder mehrlagiger Stoff den selben Dienst tut, und den findet die eine oder der andere vielleicht in seiner Bastelkammer... (Mein Filz war ein weitergegebenes Stück Bastelfilz und wartete in meinem Schrank seit guten drei Jahren auf seinen großen Augenblick.)

Das Filzstück wird auf die gewünschte Größe zugeschnitten. An allen vier Ecken wird nun ein Quadrat abgeschnitten. Das rote Rechteck ergibt die Grundfläche eurer Box.

Grundfläche

Dann werden die aneinanderstoßenden Seiten der Quadrate von außen zusammengenäht.

zusammennähen

Einfach so. Ohne Schnickschnack.

zusammennähen

Verriegelt Anfang und Ende eurer Nähte.

Nähte verriegeln

Fertig.

das fertige Körbchen



Dieses eher praktische als schmücke Kistchen enthält jetzt mein Nähzubehör in einer Kommode. Wenn ich die Nähmaschine auspacke, hole ich einfach das Kistchen hervor und von Maßband bis Mini-Schraubschlüssel ist alles griffbereit.
Viel Spaß beim Nachmachen! Und wenn ihr die Box aus anderem Stoff schneidert, verlinkt Euch doch. Ich bin gespannt, wie das dann aussieht.

Übrigens: Für viel Geld kann man sich das Ganze auch in schick kaufen: link. Verrückte Welt... :)

Einab im Dezember







Pinterest

10.11.15

Organisiert Leben 3 - Das FLY-System, eine systematische Betrachtung

- Teil 3 der Fly-Serie

Und weiter geht's! Da wir ja nun in der Theorie wissen, dass wir uns weder krummlegen noch 14 Stunden am Tag Staubwedel und Besen schwingen müssen, um jederzeit eine präsentable Wohnung zu haben, fragt sich nur noch, wie das praktisch zu erreichen sein soll.

Ich werde das Ganze mal sehr systematisch präsentieren. Zum einen, weil ich hier einen Mehrwert zur Homepage bieten möchte (die ich ziemlich unübersichtich finde) und für manchen ein bisschen mehr Systematik im System hilfreich wäre. Zum anderen, weil sich das Fly-System nachgeradezu aufdrängt, systematisch dargestellt zu werden - es ist so wunderbar einfach strukturiert, das ist auch der Grund, warum es so wunderbar funktioniert. Und zuletzt möchte mein Akademiker-Hirn einfach allem und jedem ein System überstülpen - was soll man machen ;)
Also, auf zur Wissenschaft der Haushaltsführung!

Zunächst unterscheiden wir zwei Ebenen: Zeitlich und Räumlich.

1. Zeitliche Ebene

Alle anfallenden Aufgaben werden ihrer Frequenz entsprechend geordnet:

  • täglich
  • wöchentlich
  • monatlich
  • (viertel-jährlich)
  • jährlich

Täglich:
Aus den täglich anfallenden Aufgaben ergeben sich unsere Routinen. Routinen sind das hilfreichste und erfolgreichste Werkzeug, das uns die Fly-Lady an die Hand gibt. An verschiedenen Stellen (hier, hier) schreibt und spricht sie darüber, und eigentlich ist es ganz einfach: Täglich einen gewissen Grad an Ordnung aufrecht erhalten, und es wird nie mehr Hau-Ruck-Aufräum-Aktionen geben.
Es gibt am Tag 2, bzw. 3 Routinen, ja nachdem, was für den Flugaspiranten hilfreich ist. Hier findet ihr meine Routinen (die schon im April einigermaßen standen).*

Wöchentlich:
Die wöchentlichen Aufgaben werden als Daily Focus zusammengefasst. Dabei muss es sich nicht immer um konkrete Aufgaben handeln. Oft sind es nur Themen, unter denen ein Tag steht (so wie der Anti-Prokrastinations-Tag, what a day!)

Monatlich:
Jeder Woche des Monats wird eine Zone zugeordnet. Zonen sind neben den Routinen das zweite wichtige Element des Fly-Systems. Der Monat hat 5 Wochen - drei komplette und 2 halbe je am Anfang und Ende des Monats. Das heißt, das Haus oder die Wohnung kann in 5 Zonen aufgeteilt werden. Hier nun wird die Tiefenreinigung angesiedelt, die über das tägliche Sauberhalten hinausgeht: Unter den Schränken saugen, Schränke auswaschen. ... was auch immer dem Flugaspiranten in dem Sinn kommt. Das Gute ist, dass man 5 Tage Zeit für die Grundreinigung hat (die Wochenenden sind frei, yippieh!). Mehr als eine viertel Stunde am Tag muss man also auch hier eigentlich gar nicht machen. Die Grundreinigung wird also in tägliche Missionen in der jeweiligen Zone eingeteilt. Bis jetzt halte ich mich noch gar nicht an die Vorschläge auf der Website, sondern erstelle meine eigenen, je nachdem, was mir am Wichtigsten erscheint. Meine aktuellen Zone-Missions findet ihr hier.*


Jährlich:
Ganz klar zählen hier die jahreszeitlichen Aktivitäten hinein, wie Weihnachts-Vorbereitungen (grade das Thema auf der Fly-Seite). Hier muss ich noch Erfahrung sammeln, um darüber berichten zu können, so lange bin ich ja auch noch nicht dabei.


Im nächsten Teil dann erzähle ich etwas zu der räumlichen Einteilung und dann sollte das System hoffentlich etwas klarer geworden sein.

Weiterlesen: Teil 1Teil 2

* Kommt in Bälde...

30.10.15

Organisiert Leben 2 - Von den Freuden und Leiden, eine SHE zu sein


- Teil 2 der Fly-Serie -

Begonnen hat wohl alles in den 80ern in den USA. Pam Young und Peggy Jones, zwei Schwestern, liebevoll die "Slob Sisters" genannt, haben den Bestseller Sidetracked Home Executives veröffentlicht und sind damit zu einem Klassiker der Haushaltsführungs-Literatur geworden. Ihr System basierte auf farblich sortierten Karteikärtchen, auf denen die jeweiligen Aufgaben standen. Vielen hat diese Herangehensweise geholfen - so auch Marla Cilley, die dereinst die FlyLady werden sollte.

Doch bevor wir uns den höheren Weihen des Fly-Systems annähern, möchte ich das emotional Besondere an Cilleys und Youngs Ansatz hervorheben.
Der Titel "Sidetracked Home Executives" ist nicht zufällig gewählt. Neben dem neckischen Akronym SHE beinhaltet dieser Name für alle mis-organisierten Damen und Herren Folgendes: Wir sind Manager des eigenen Haushaltes. Aber, so sehr wir uns auch bemühen, irgendwas kommt immer dazwischen, wir werden abgelenkt (sidetracked).
Young und Cilley bezeichnen sich selbst als SHEs. Cilley sagt einmal, dass sie genau weiß, wenn sie drei Tage mal nicht aufräumt, explodiert ihr Haus. Als ich das gelesen hatte, konnte ich mich innerlich nur bedanken: Was für eine Erleichterung, dass es diesen "Heldinnen" des Organisiert-seins genauso geht wie uns allen anderen auch. Neben den SHEs gibt es noch die BOPs: Born Organized Persons! Also, ich bin definitiv keine born organized person, und das System der FlyLady ist genau für Leute wie mich: von SHEs für SHEs.

Warum diese Spielerei mit Abkürzungen und Bezeichnungen? Was ein bisschen albern anmutet hat eine tiefere Botschaft: Es ist okay, wenn man nicht als perfekt organisierter Mensch auf die Welt kommt. Es gibt solche und solche, man muss keine BOP sein! Es ist total okay, wenn man immer wieder abgelenkt wird, das ist kein Makel sondern Zeichen für Kreativität*. Schluss mit dem: "Nimm Dir einfach vor, es anders zu machen, dann schaffst du das schon." Ganz ehrlich: Durch Fest-Vornehmen hat sich bei mir noch nie was verändert! Das ist ja genau der Punkt: Bessere Selbstorganisation lässt sich nicht durch festen Willen erreichen, dazu fehlt - die Selbstorganisation. Daher funktionieren alle Pläne, Listen und guten Vorsätze nicht: Sie überfordern die SHE in mir und danach habe ich nur ein schlechtes Gewissen, weil ich mal wieder nichts geschafft habe und meine eigenen Vorsätze mal wieder nicht eingehalten habe. Das FlyLady-System beginnt genau an diesem Punkt: Beim schlechten Gewissen, dass man es immer noch nicht schafft, ein perfekt organisiertes Leben zu führen. Dass man eben keine BOP ist. Die Hauptbotschaft lautet: Stop beating yourself up! Hör endlich auf, dich selbst runterzumachen für die Art und Weise wie Du (nicht) aufräumst. Wir können den Rucksack, den jeder von uns durch das Leben trägt, nicht ändern, nur unsere Einstellung dazu. Durch Selbstvorwürfe wird niemand eine organisierte Person.

SHEs sind Perfektionisten, dabei sehr kreativ, und eigentlich haben wir alle Voraussetzungen, um ein glückliches, erfülltes Leben zu führen. Wenn wir uns nicht durch unseren Perfektionismus immer wieder ein schlechtes Gewissen machen lassen würden (ich schaff dies-oder-jenes nicht perfekt, also lass ich es ganz). Das Einzige, was wir tun müssten, ist uns selbst liebevoll an die Hand zu nehmen, uns sagen, dass alles gut ist, auch wenn wir nicht in 2 Tagen die komplette Wohnung auf Hochglanz gebracht haben, und uns einfach die Erlaubnis geben, langsam zu machen. Was SHEs nicht brauchen, ist der berüchtigte "Tritt in den Allerwertesten" - wie unhöflich kann man zu sich selbst eigentlich sein? Nicht umsonst ist das Backronym für FLY: Finally Loving Yourself.

Ich brauche nicht den tausendsten "Krempel Dein Leben um in 30 Tagen" Ratgeber, von einer BOP geschrieben, der nur Überforderung und schlechtes Gewissen hervorruft. Ich brauche den Seelenstreichler: Mach langsam, ist nicht schlimm, trink erstmal 'nen Tee, hör auf, dich verrückt zu machen. Das ist für mich das Besondere am FlyLady-System. Und nur deswegen kann ich dabei bleiben und es für mich nutzbar machen.


Weiterlesen: Teil 1, Teil 3 


* In ihrem neuen Buch "The Joy of being disorganized" zeigt Pam Young die positiven Aspekte des Unorganisiert-seins und fordert dazu auf, nur genau so viel Organisation ins Leben hineinzutragen, dass man immer noch die kreativen, spontaten, unorganisierten Seiten genießen kann.

20.10.15

Organisiert Leben 1 - Die Suche nach dem richtigen System


- Teil 1 der Fly-Serie -

Ich habe ja schon angelegentlich erwähnt, dass Ordnung und Organisieren so gar nicht meine Stärken sind. Warum, das habe ich mich immer wieder gefragt. Ich habe sinniert und analysiert, habe mir vorgenommen, organisiert zu werden, aber die bloße Theorie hilft eben nicht weiter. Was ich brauche, sind konkrete Handlungsrichtlinien, an die ich mich klammern kann, wenn mein Gedankenkartenhaus in sich zusammenfällt.  Ein System, das mir da Halt gibt, wo meine mangelnde Selbst-Organisation es nicht schafft.
Und - ich habe das richtige System für mich gefunden: Die FlyLady. Ich hatte sie schon in einem Post im April vorgestellt. Zuerst schreckte mich diese aufdringliche amerikanische "You-can-do-it!"-Mentalität etwas ab, die Website selber sieht ziemlich schlimm aus und das Cartoon-Maskottchen könnte mich eigentlich direkt dazu bewegen, die Seite zu verlassen und nie wieder zu kehren. 

Das Maskottchen der FlyLady

Aber, "never judge a book by its cover", und ich habe mir zunächst von ihrer Website nur die Dinge rausgesucht, die mir gerade hilfreich erschienen (was, wie ich nun weiß, natürlich ganz in ihrem Sinne ist). Ein paar Tage später hatte ich eine Morgen- und eine Abend-Routine etabliert, an die wir uns noch heute halten. Im Sommer waren wir ja lange nicht zu Hause, und erst seit ein paar Wochen haben wir unsere Routinen wieder wirklich aufgenommen und ich habe das System weiter für mich nutzbar gemacht. 
Es funktioniert! Es funktioniert wirklich! Mein Verhalten in Bezug auf Aufräumen hat sich so sehr verändert, dass ich mich frage, wie das passieren konnte. Wo die Abend-Routine am Anfang noch 20 Minuten dauerte, dauert sie jetzt vielleicht die Hälfte. Und letztes Wochenende hatten wir den Härtetest: Besuch von 2 Freunden und meinem Bruder. Drei zusätzliche Leute in unserer 70 qm Wohnung - eine Herausforderung. Und siehe da: Wir sind NICHT im Chaos versunken, die Küche war KEIN einziger klebriger Schmutzfleck, und am Sonntag Abend, als der Besuch wieder gegangen war, war die Wohnung innerhalb weniger Minuten wieder SAUBER!

Je mehr ich mich mit dem System auseinandersetze, und vor allem, je mehr ich über Marla Cilley, die FLYlady, und ihre "Mentorin" Pam Young erfahre, desto tiefer kann ich mich identifizieren mit diesem System und kann diese beiden charmanten, lustigen und auch wirklich weisen Personen als meine Vorbilder und Idole in mein Leben integrieren. Ich weiß wie sehr das jetzt nach Pathos und neuer heilsversprechenden Religion klingt. Ich wundere mich auch ein bisschen über mich selber, dass ein Internet-Phänomen so einen Einfluss auf mich haben kann. Und wer weiß, vielleicht sehe ich in wenigen Monaten die ganze Sache wieder kritischer. Aber heute nutzt es mir viel und das ist das Entscheidende für mich im Moment. 

(c) LCDF

Hier möchte ich eine kleine Post-Serie über das System der FlyLady beginnen. Warum funktioniert gerade dieses System für mich und was davon übernehme ich in meinen Alltag? Wie der Amerikaner sagen würden: Stay tuned for more! ;-)

Weiterlesen: Teil 2, Teil 3 der Fly-Serie

21.04.15

Frühlingsfrische. Selbst-Organisation III

Ich mache den Frühling verantwortlich. Die Sonne strahlt seit Tagen warm und wohlig auf das Land, der Himmel könnte wolkenloser nicht sein - der Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte. Alles grünt und blüht, frische Triebe sprießen, die Natur macht ihren eigenen Frühjahrsputz. Es liegt definitiv der Neuanfang in der Luft. Dieses Jahr spüre ich die Energie und Kraft, die im Frühling liegt, ganz besonders. Es ist eine Drehung um 180 Grad, die die Natur gerade vollzieht, ein immenses Kraftaufgebot, das geradezu mühelos, ja - natürlich vonstatten geht. Dieses Jahr spüre ich eine eigentümliche Ruhe, die der Frühling auf mich ausstrahlt. Eine eigentümliche Kraft, die dem Herbstgefühl nicht unähnlich ist. Wo ich im Herbst meine Kräfte sammle um mich auf mich selbst zu besinnen, sammele ich dieser Zeit meine Kraft, um mich der Welt zu öffnen. Ich fühle mich entspannt und ausgeglichen, bereit, einem gleißenden Sommer zu begegnen.

Flylady

Wer weiß, vielleicht wird dieses entspannte Gefühl aber auch durch meine neue Wohnung hervorgerufen. In der Tat, meine Wohnung ist kaum wiederzuerkennen. Wer hätte gedacht, dass sich innerhalb nur einer Woche mein ganzes Aufräumverhalten verändert? Durch die Abend- und Morgen-Routinen kann quasi keine Unordnung aufkommen, und ich... ich muss nicht aufräumen. Vielleicht ist doch alles nur eine Frage der Definition: Eine Routine ist kein Aufräumen, daher muss man in einer ordentlichen Wohnung nicht aufräumen. Heureka!
Der Frühling und ich, wir schwingen dieses Jahr gleich. Ich kann mir seine Kraft und Frische zunutze machen: Wenn es morgens schon so schön warm und hell ist, dann macht es mir nichts, ein paar Minuten ins Wegräumen zu investieren. Kurz und gut: Wir haben nun eine Morgen-Routine und eine Abend-Routine etabliert. Schön gestaltet (das Notwendige sollte immer auch ästhetisch sein, nicht wahr?) hängt unser Plan in der Innenseite des Küchenschrankes: Nicht zu offensichtlich, aber immer präsent. 

hier hängt der Aufräumplan

Und lässt Platz für weitere Pläne.

20.04.15

Selbst-Organisation II - Abendroutine

Auf meinen ersten Beitrag zur Selbstorganisation gab es mehrere sehr liebe Kommentare. Danke, dass ihr mir Mut macht, das mit den Wochen- Tages und Stundenplänen durchzuziehen! 
Der link zu der Website von FLYlady war außerdem sehr hilfreich. Um nicht zu sagen, genau das, was ich brauchte. Auch wenn mir der Stil der Seite nicht so gefällt (erinnert mich an eine stramme mitt-fünfziger mittelamerikanische Lady mit Dauerwelle und roten Lippen schon zum Frühstück...) - die Tipps sind wirklich gut. Für mich als absoluten Newbie in Sachen Organisiertheit hat es sehr geholfen, dass besagte Fly Lady ganz genau und für den letzten Depp aufschreibt, was ihre Aufräumroutine beinhaltet.
Zum Beispiel hier:
FlyLady’s Before-Bed Routine
1. Clean up the house before you go to bed. (Approx. 20 minutes)
   Living room - pick up and put away things, magazines, dishes, clothes, shoes, etc.
   Kitchen – clean it up, shine sink, lay out clean dishcloths, run the dishwasher.
   Dining room/entrance – clear the hot spots.
   [...]
Wisst ihr, es beschämt mich ein wenig, dass solch einfache Regeln für mich eine Art Offenbarung darstellen. Die wichtigsten Dinge in der Wohnung erledigen bevor man schlafen geht - natürlich! Vor allem die Küche und die Hotspots im Flur/Wohnzimmer sollten aufgeräumt sein - aber ja!
Ich habe meinen Mann in meine umstürzlerischen Gedanken hinsichtlich Stunden-, Tages- und Wochenplänen eingeweiht. Und siehe da - er war sofort Feuer und Flamme. (Um der Wahrheit die Ehre zu geben, er ist ohnehin der Ordentliche von uns beiden. Daher hat ihn ehrlich gefreut, dass ich mir Gedanken zum Thema Ordnung mache).
Wir haben zunächst eine Abendroutine festgelegt: 
1. Küche aufräumen: Abwaschen, alle Flächen frei, Fegen
2. Hotspots im Flur: Kommode 
3. Wohnzimmertisch freiräumen. 
Wir haben die Abendroutine jetzt drei Tage in Aktion und unsere Wohnung sieht wirklich deutlich ordentlicher aus! Ich bin froh, dass mein Mann mitmacht, denn erstens geht das Aufräumen gemeinsam schneller (länger als 20min dauert es nicht, und ich hoffe, dass es mit der Zeit noch kürzer dauert), und zweitens können wir uns gegenseitig motivieren. Nach drei Tagen sind wir immer noch enthusiastisch dabei und es tut sooo gut! Es ist wirklich ein anderes zu Bett gehen, wenn die Wohnung hinter einem aufgeräumt ist. Und auch das Aufwachen ist ganz anders: Eine saubere Küche mit sauberem Boden zu betreten... eine Erholung für mein noch schlafumwehtes Gemüt. 

Erholung durch Aufräumen
So fühlt es sich an, eine saubere Küche zu betreten...
credit
Überhaupt, das Stichwort Erholung trifft die Sache. Unordnung ist keine Erholung vom Aufräumen, auch wenn ich mir das lange versucht habe, weiß zu machen. Das Gegenteil ist richtig: Ordnung ist die Erholung vom steten Chaos. Ich bemerke immer mehr, wie mich Unordnung stresst. Es ist wie ein latentes Geräusch, das man irgendwann ausgeblendet hat, das unterbewusst aber immer noch lärmt. Ordnung zu schaffen heißt, das Geräusch abzuschalten. Klar kann man wochenlang über einen unordentlichen Schreibtisch hinweg sehen, die Papiere rausfischen, die man grad braucht und dann die Tür zumachen. Aber im Endeffekt mach im mir nur was vor: unterbewusst stresst mich die Unordnung sehr wohl, und ich ärgere mich sehr wohl darüber, dass ich beim Rausfischen ganze Papierberge zum Einsturz bringe. 
Also, der Anfang ist gemacht! Als nächstes plane ich, der Abendroutine eine Morgenroutine folgen zu lassen. Dann tasten wir uns mal langsam an Wochen- und Monatspläne ran... 



16.04.15

Selbst-Organisation I

Ich habe ja schon ein Loblied auf die hausfraulichen Tätigkeiten gesungen. Nicht zuletzt mir selbst gegenüber wollte ich klarmachen, dass Ordnung halten und die Einrichtung pflegen nichts mit Spießertum zu tun hat, sondern notwendige Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben sind. Dass die Dinge in Ordnung gehalten werden, an ihrem Platz sind und funktionieren erspart eine Menge Zeit und Stress. Ein Tag hat nunmal nur 24 Stunden, und es wäre ja schön blöd, einen Großteil dieser Zeit mit Suchen, Mauscheln und Sich-Ärgern zu verbringen. Wenn der Großteil der Arbeitskraft in die Selbstversorgung gehen soll, dann kann man sich Unordnung und Desorganisation einfach nicht leisten. 
Soweit die Theorie. Warum nur fällt mir die Praxis so schwer? 

Werner Tiki Küstenmacher
Auch Tiki beschäftigt sich mit dem Thema Ordnung

Maria hat einen wunderbaren Beitrag darüber verfasst, wie sie ihre Morgenroutine mit zwei Schulkindern so organisieren kann, dass ihr nicht schon kurz nach dem Frühstück die Nerven blank liegen. Die Lösung lag für sie in einer genauen Analyse des Problems: Was genau raubt ihr am Morgen die Nerven und die Zeit? Daraufhin konnte sie mit sehr einfachen Maßnahmen diese Probleme angehen. Ob das auch bei mir klappt?
Mein Problem: Über den Tag hinweg schaffe ich nur einen Bruchteil dessen, was ich mir vornehme. Meine Energie wabert unfokussiert über den Tag, und im Endeffekt bleibt nur noch sehr wenig davon übrig. Kennt ihr das, dass man vom Nichtstun erschöpft ist? An solchen Tagen bin ich nicht so produktiv, wie ich es eigentlich sein könnte, aber dennoch total erschlagen. Und das Lustige ist: An anderen Tagen, wenn ich richtig durchackere und anpacke, dann bin ich am Ende des Tages zwar auch kaputt, aber wohlig erschöpft. Und nicht so leer wie an solchen "Rumschlumps"-Tagen. Ganz klar: Ich brauche mehr Fokus, um meine Energie nicht verpuffen zu lassen. Anders ausgedrückt: Ich muss meine Fähigkeit zur Selbstorganisation mehr ausbauen. 

Organisieren, Schreibtisch
Minimalistische Ordnung von freshideen.com

Nachdem alles "Mir-selbst-gut-zureden" und alles "Ganz-fest-vornehmen" nichts gebracht hat, muss ich mir nun selber etwas mehr Struktur geben. Wisst ihr noch, in der Schule, wie schön es war zu wissen, nach Englisch kommt zwei Stunden Mathe? Und wenn man Mathe hat, kann man nicht gleichzeitig Musik machen, das sieht ja wohl jeder? 
Also denn spiele ich mal meine eigene Lehrerin und erstelle mir einen Stundenplan. Ob das etwas bringt, werde ich weiter berichten. 





11.03.15

Küchen Upcycle: Spüllappen aus altem Handtuch

Als ich diesen Beitrag zur Müllvermeidung in der Küche bei Maria gelesen habe wusste ich: Das mach ich auch! Was für eine tolle Idee, aus alten Handtüchern einfach und unkompliziert Spüllappen zu schneidern. 
Handtücher, zu alt zum Gebrauch, zu gut zum Wegwerfen, finden sich stapelweise in meinem Schrank. Man wirft ja nichts weg, wer weiß, wozu man sie noch brauchen kann? In diesem Falle für neue Lappen. 

Upcycling Tücher

Der alte Spülschwamm aus dem Naturladen, auf Basis nachwachsender Rohstoffe und zum Abkochen geeignet, hat mich nie überzeugt. Nach einmaligem Durchwaschen wurde er schon fadenscheinig, nach mehrmaligem Gebrauch geruchlich fragwürdig. Ein neuer Lappen war schon lange fällig, der Upcycle Beitrag kam genau richtig. 
Ich habe ein kleines Handtuch genommen, daher ist die Form meiner Spüllappen etwas anders geworden. Ich habe 5 Lappen aus einem Handtuch gewonnen, und ich bin hoch zufrieden! Die Lappen liegen perfekt in der Hand. Sie sind schön groß und weich, dabei aber durch die doppelte Lage sehr stabil. Doppelt gelegt wirken sie wie ein Schwamm. 

Genähte Lappen, klein und groß

Es mag komisch anmuten, über Putzlappen in Verzückung zu geraten, und doch tue ich genau das. Diese Lappen sind umweltfreundlich, praktisch, hygienisch und ich konnte einen abgelegten Gebrauchsgegenstand einer neuen Bestimmung zuführen. Herz, was willst du mehr?

Verlinkt beim Werkeltagebuch.

23.02.15

Krimskrams-freie Zone

Die Spielecke unserer Tochter, im Wohnzimmer neben der Couch, unter der Dachschräge, ist mit Abstand ihr liebster Platz in unserer Wohnung - vielleicht noch von unserm Familienbett getoppt, wo wir Nachts gemeinsam kuschelnd einschlafen. Ihr Wortschatz ist noch nicht allzu üppig, aber "Ecke" kann sie schon sagen. Nach dem Frühstück, beim Wickeln, vor dem Schlafengehen - ein fragendes "Ecke?" von meiner Tochter, und zusammen verkrümeln wir uns in ihr kleines Spielparadies.


Die Pflege der Spielecke liegt mir sehr am Herzen. Ich versuche, jeden Tag mit ihr die Spielsachen wieder an ihren Platz zu räumen, und vor allem versuche ich, ihre Spielecke plastik- und krimskramsfrei zu halten.
Letzte Woche stand eindeutig Ausmisten auf der Agenda. Die Körbe im Regal, zum Sortieren und Ordnunghalten gedacht, waren übervoll mit irgendwelchem Klitterkram, den ich mitunter ganz vergessen hatte. Mit vielen Dingen spielte sie überhaupt nicht mehr, war schon zu groß dafür. Einen riesigen Haufen Zeug habe ich aus der Kuschelecke getragen, und die ist nun wirklich nicht groß!


Was sich alles im Laufe der Zeit dort angesammelt hatte! Sandförmchen, einzelne Socken, Schnüre, ein Zollstock. Den kleinen Tambourin habe ich auch weggeräumt, sie ist einfach noch zu klein dafür. Hingegen für den selbstgehäkelten Greifball und das kleine gestrickte Püppchen ist sie zu alt - sie warten jetzt im Keller auf das nächste Kind. Und manche Dinge finde ich einfach rundweg hässlich, Geschenke von wohlmeinenden Bekannten oder Uromas. So zum Beispiel die folkloristische Puppe, ein Mitbringsel aus Mexiko. Oder die Libelle auf dem Zollstock - wer produziert so etwas überhaupt? Nun ist die Spielecke wieder freier (aber nicht aufgeräumter), und meine Tochter kann wieder ungestört und unabgelenkt ihre Lieblingsspiele spielen.
Spiel, das wissen wir, ist ja nichts anderes als Lernen. Wie konzentriert manche Kinder ein und das selbe Spiel immer und immer wieder spielen: Puppenkleidchen an, Puppenkleidchen aus, Bauklötze aufstapeln, Bauklötze umwerfen. Diese Konzentration auf eine Tätigkeit und ein Spiel wird nicht nur durch Unordnung verhindert, sondern auch durch ein Überanebot. Das Kind wird vor eine künstlich erschwerte Entscheidung gestellt, mit was es spielen will, in der Annahme, dass mehr Angebot automatisch besser ist. Aber wir wissen ja selber, dass wir uns beim Einkaufen, vor der Käsetheke, kaum entscheiden können - wie soll dann ein kleines Kind eine gefestigte Entscheidung treffen können?
Es ist die viel beschworene Überforderung, die das Kind, das eigentlich nur in Ruhe vor sich hinspielen will, quenglig und fahrig werden lässt. Ich denke überhaupt, dass das Kind am besten mit Stöckchen und Steinchen aus dem Wald spielt, vielleicht noch ein Stückchen Stoff und ein Bilderbuch. Minimalismus im Kinderzimmer, die lieben Kleinen holen sich schon ihre Beschäftigung.


Aber diesen Schritt traue ich mir noch nicht zu, zu stark ist der Glaube in mir, dass Kinder Spielsachen brauchen. Aber zumindest kann ich regelmäßig entrümpeln, und vielleicht lernt mein Kind dadurch, dem Zeug, dem Krimskrams dieser Welt einfach die kalte Schulter zu zeigen.

06.02.15

Kräuterregal

Manch' Ding will Weile haben. So auch unser Vorhaben, das Kräuterregal, das über dem Herd hängt, zu reparieren und aufzubessern. Von der Vormieterin übernommen, hing das alte (Ikea?) Regal recht windschief an der Wand, mehr als ein paar Gewürzgläschen und Tassen wollt' ich gar nicht draufstellen, aus Angst, das Ganze kommt mir entgegen. 
Letztes Wochenende war es dann soweit, das Regal wurde "gepimpt". Erstmal wurde alles ordnungsgemäß gesäubert und verleimt. Alte Schraubgläser an die Unterseite des Regals geschraubt, mit Kräutern befüllt, ergeben jetzt ein prima Gewürzregal! Hier eine Anleitung in Bildern.


Deckel anbringen









An die Unterseite des Regals werden die Metalldeckel von passenden Schraubgläsern geschraubt. Natürlich muss man darauf achten, in welcher Reihenfolge die Gläser später mal hängen sollen. Drei Schrauben, zu einem Dreieck angeordnet sind am stabilsten. Der Deckel wird so am wenigsten beansprucht und wackelt nicht. Die Löcher haben wir mit einer alten Gürtel-Stanze  (Lochzange) gemacht. 


An der Wand









Befüllen und Zuschrauben






Et voilà. Schnicke, oder? ;-) 

Ich habe diese Idee einmal in einer befreundeten WG gesehen, vor gefühlten 100 Jahren, und ich habe mir fest vorgenommen, das auch einmal nachzumachen. Nicht nur wird man die ollen Plastiktütchen und -döschen los, in denen das Gewürz sonst immer daher kommt, es spart auch noch Unmengen Platz! Ich freue mich, wenn ihr euch inspirieren lasst und vielleicht auch einen "vertikalen Gewürzspender" in eurer Küche anbringt. 

Verlinkt bei: Upcycle-Dienstag im Februar , und bei: 




09.12.14

Ordnung, Rhythmus, Struktur - Eine verfrühte Liste mit guten Vorsätzen

Ich war nie sonderlich ordentlich, habe es nie gelernt. Meine gesamte Familie ist mehr der Typ chaotisch-charmant. Liebenswert, ohne Frage, aber strukturiert? Nicht im Geringsten. Schon immer habe ich mich mehr so durchgewurschtelt, ob in der Schule, im Studium, im Umgang mit Behörden. Aber vor allem auch beim Aufräumen.





Bis zu einem gewissen Grad hat ein etwas Chaotie ja ihren Reiz. Kein Mensch mag klinisch-sterile Räume, Leben heißt Dynamik. Doch wie viel davon ist noch auszuhalten? Wie viel Unordnung ist Chaos? Und auf der anderen Seite, wie viel Struktur ist Stillstand?


Mein Mutter-Sein hat mir auch hier mal wieder neue Einsichten geschenkt. Meine Tochter liebt, wie jedes Kind, Rhythmen und Rituale. Nach dem Frühstück gehen wir raus, egal ob in die Kita oder spazieren oder einkaufen - Nach dem Mittagessen geht sie schlafen - Und so weiter, und so fort.


Doch nicht nur Abläufe sind geordnet, auch die Räumlichkeit gehorcht einer gewissen Struktur. Bücher gehören ins Regal - Töpfe gehören ins Fach unter die Schüsseln - Bananen liegen in der Obstschüssel - Das Töpfchen steht im Bad. Ordnung ist hier mehr als Aufgeräumtheit, es ist der Lebensraum selbst, der dadurch überhaupt erst verstehbar wird.




Das Gleiche gilt auch für die Ordnung in meinen vier Wänden. Es heißt, der schönste Schmuck für einen Raum ist Ordung. Warum? Weil wir Menschen Klarheit lieben. Wir brauchen Übersicht, Struktur, Klarheit. Ja, wir brauchen äußere Strukturen, damit die innere Unstrukturiertheit besser zu ertragen ist.
Ich will ehrlich sein: Ich habe das Gefühl, ein Don Quixote des Aufräumens zu sein. Ich räume einen Raum auf, und kaum nutze ich (oder wir) ihn wieder, schwupps, ist er wieder gewohnt chaotisch unordentlich. Ich spüre in mir eine merkwürdige Gleichgültigkeit gegenüber den Dingen, die ich benutze. Es ist mir egal, wo sie liegen, wenn ich sie nicht benutze, und es ist mir insbesondere egal, wenn sie noch rumliegen, wenn ich sie benutzt habe. Daraus folgend ist Ordnung ein sekundärer Prozess, der nachträglich geschaffen werden muss. Die Nutzung von Gegenständen und deren Wegräumen hängen für mich nicht inhärent zusammen. Oder noch krasser ausgedrückt: Die Nutzung der Wohnung und deren Ordnung hängen für mich nicht zusammen. Es ist interessant und beschämend zugleich, mir das einzugestehen.



Ich will versuchen, ordentlicher zu sein. Oder besser: strukturierter, organisierter! Denn irgendwo am Ende der ganzen Gedankenschieberei sagt ein kleines Männchen zu mir: Wie willst Du jemals einen Selbstversorger-Hof wuppen, wenn Du nichtmal Deine kleine Wohnung in Ordnung halten kannst? Und verdammt, das kleine Männchen hat Recht!

Es ist die Notwendigkeit der äußeren Umstände, der natürlichen Rhythmen, denen ich gehorchen lernen will. Tief in mir drin spüre ich, dass es falsch ist, sich ständig durchzumogeln. Dass es nicht richtig ist, wenn man denkt, für mich gelten die Gesetze der anderen nicht (zB Abgabefristen in der Bücherei...!). Ist es nicht gerade dieser Impuls, der mich Marmelade kochen und Socken stricken lässt, der mich alte Handarbeiten wieder entdecken und den Weißkohl einwecken lässt? Es ist der Wunsch, sich der "großen" Ordnung anzupassen. Lebensmittel zubereiten und Kleidung herzustellen, weil wir sie brauchen, und sie eben nicht von der Stange zu kaufen. Schnell, billig, sofort verfügbar eine quick-and-dirty Lösung für unsere essentiellen Bedürfnisse. Wir tun so, als wären wir über all unsere Bedürfnisse, über den Wertstoff-Kreislauf und die Jahreszeiten erhaben. Wir mogeln uns durch! Kein Wunder, dass wir uns irgendwie falsch und unecht anfühlen.


Ich will mich nicht mehr durchmogeln. Und, wie schon gesagt, im Kleinen muss es beginnen...


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