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10.08.15

Woher und wohin

Gute zwei Monate habe ich meinen Blog ruhen lassen, mein Zwischengeflecht, das ich mir selber aufgebaut hatte und in dem ich mich zurückziehen wollte von den Irrungen und Wirrungen einer materialistischen Welt. 
Warum diese lange Pause, woher diese unerklärte, plötzliche Stille?

Schafe Frühling

Ich habe den 10.08., den zweiten Start von Einab hier auf meinem Blog, als Datum gewählt, meinen Blog wieder zu beleben. Ich habe mir natürlich selber viele Gedanken gemacht, warum mich in den letzten Wochen so gar nichts ans Bloggen getrieben hat. Der Gründe gibt es viele, vordergründige und hintergründige. 
Zunächst einmal der ganz pragmatische: Die Hitzewelle dieses Sommer hat mich wirklich mitgenommen. Als jemand, der sich bei tendenziellen 24 Grad und leichter Brise wohlfühlt, habe ich unter der brütenden, lastenden Hitze in Stuttgart sehr gelitten. Kein Lüftchen weit und breit, meine Wohlfühltemperatur um flockige 15 Grad überschritten, und eine Dachgeschosswohnung, die auch nachts nicht abkühlt. Was mich unter normalen Umständen schon schlaucht, hat diesen Sommer besonders zu Buche geschlagen: Das erste Trimester macht die Hitze unerträglich (auch wenn ich mich natürlich wahnsinnig wahnsinnig freue!!). Übelkeit und niedriger Blutdruck haben mich regelrecht ans Bett gefesselt und mir fehlte jegliche Energie für alles, was über meinen Alltag hinausging. Es ist nicht so, dass ich gar nicht kreativ oder produktiv war, aber ich hatte abends einfach keinen Nerv, mich noch zwei Stunden oder mehr hinzusetzen, Bilder auszusortieren und Texte zu verfassen. 
Das führt mich direkt zum zweiten Punkt, den grundsätzlichen, den das Bloggen betreffend: Wie viel Zeit möchte ich diesem Blog wirklich widmen? Ich habe das Gefühl, dass mein Leben nur aus Baustellen besteht und aus selbst-auferlegten Hürden. Der Übergang in ein neues Leben passiert nicht innerhalb weniger Monate, das merke ich nun sehr deutlich, und er braucht Kraft und Druchhaltevermögen. Vor allem aber braucht er Tatendrang und Aktivität. Die Planung genügt nicht, das Träumen, Hoffen und Abschweifen auch nicht. Taten müssen folgen, und die Selbstversorgung spielt sich nunmal im wahren Leben ab, nicht zwischen Zeilen eines Blogs. Mitunter ist es so, dass jede Stunde, die ich dem Schreiben widme, der Selbstversorgung und dem Selbermachen verloren geht. Abends besteht die Wahl zwischen Schreiben oder Nähen, fabulieren oder realisieren. Und in den letzten Wochen habe ich durchaus zu Letzterem tendiert. 

Brotbacken

Trotzdem will ich den Blog natürlich nicht aufgeben, aus mehreren Gründen. Nicht zuletzt, weil mir diese Art des Tagebuchführens eine gute Selbstreflexion bietet. Wohin will ich? Worüber will ich wirklich schreiben? Was ist wichtig, was ist Thema dieses Blogs und auch eigentlich meines Lebens im Moment? Ich glaube, sobald ich darüber Klarheit gewonnen habe, wird der Blog wieder zu dem, als das er ursprünglich gestartet war: Eine Projektionsfläche, die meinen Weg hin zu einem autarken, alternativen Leben inmitten einer neo-liberalen Gesellschaft abbildet. 
Dieses Lebensthema lässt sich aber kaum in kleine Blog-Beiträge pressen. Es muss vielmehr um Etappen gehen, die mir auch ganz praktisch helfen können, meine Ziele zu strukturieren. Was habe ich schon erreicht, was steht kurzfristig an? Woher und Wohin - die beiden Pole eines jeden Lebens, die ein jeder selbst definieren muss. 

Für den Blog bedeutet das Folgendes: 
* Ich werde verstärkt in Serien und Themen-Reihen schreiben. 
* Auch Themen, die nichts mit Nachhaltigkeit zu tun haben, sollen ihren Platz finden. 
* Die Beiträge werden kürzer (dieser hier hat schon jetzt 560 Wörter! Auf Dauer werde ich diesen Standard nicht aufrecht erhalten können.) 
* Die Bilder werden nach wie vor nicht oder nur sehr wenig bearbeitet.
* Dadurch hoffe ich, auch häufiger zu posten. Wenn es aber dennoch nur für 1-mal die Woche reicht, dann ist das so. 

Mal sehen, ob mir das alles etwas bringt. Selbstfindung ist ein so verdammt schwieriger Prozess, und ich bin durchaus kein wortkarger Mensch. Aber jetzt muss ein wenig Rationalität walten, um nicht zu sagen Zeit-Ökonomie, damit dieser Blog werden kann, was er werden soll: Inspiration, Wegbegleiter und Dokumentation für eine Reise ins Dazwischen.

27.05.15

Schmetterlings-Ring

Schon immer habe ich Schmetterlinge geliebt. In besonderen Momenten meines Lebens habe ich sie gesehen, und diese Bilder tief im Gedächtnis behalten. Diese fragilen, leichten Wesen, die wie Elfen über eine Blütenwiese gleiten, scheinen Fröhlichkeit und Heiterkeit auszustrahlen. Sie stehen wie kein anderes Tier für Veränderung, Neuanfang, Leichtigkeit. Ein leichtes Herz, ja, das wünsche ich mir gerade sehr. 

Ring selber basteln

Als mir heute beim Aufräumen eine meiner Lieblingstassen zu Bruch ging, konnte ich nicht mehr - ich habe losgeheult wie ein Schlosshund. Ich konnte mich gar nicht beruhigen, und mir ging auf, wie schwer es mir fällt, mir selbst zu verzeihen. Ob es an meiner Erziehung oder an meinem Temperament liegt, das weiß ich nicht. Aber irgendwie kam diese Erkenntnis heute wie eine Erleuchtung über mich. Lerne Dir selbst zu verzeihen, lerne Deine Fehler anzunehmen, und mach einfach da weiter, wo Du gerade bist. Liebe Dich selbst. 
Gerade das Aufräumen ist bei mir ja ein großes Thema. Ich ärgere mich, dass ich es einfach nicht schaffe, Ordnung zu halten. Aber ich habe zwei blinde Augen, wenn ich über meine eigene Schusseligkeit hinwegsehe. Warum? Traue ich mir selbst nicht mehr zu? Es ist eine eigentümliche Verdrängung, die ich da vollziehe, die nichts mit Nachsicht zu tun hat. Ich ignoriere schlicht die negativen Gefühle, die mich ob meiner Unzulänglichkeit überkommen. Mein Bauch sagt mir ziemlich genau, dass schlampern und schlusen, lümmeln und gammeln mir einfach nicht gut tun. Aber dennoch drücke ich beide Augen zu im Glauben, mir etwas Gutes zu tun, wenn ich nicht meine Arbeiten erledige. Diese Verdrängung aber macht mich noch unzufriedener, und - let's face it! - sorgt für immer weniger Selbstvertrauen in meine Fähigkeit, mein (Haushalts-)Leben auf die Reihe zu kriegen. 
Als ich mal wieder bei der FLY Lady vorbeischaute, um mir gute Tipps zu holen, stieß ich auf einen Beitrag zum Thema Prokrastinieren. Der traf. Mir ging auf, dass es offensichtlich auch bei mir eine Verbindung zwischen Prokrastination und mangelnder Selbst-Liebe gibt. Auch wenn es schwer ist, das einzugestehen. Auch wenn andere vielleicht die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und ob dieser Über-Psychologisierung schnell das Weite suchen. Auch wenn es vielleicht nur die halbe Wahrheit ist. Aber in mir hat es was zum Klingen gebracht. Mir ging auf, dass vieles, was ich vor mir herschiebe, aus Angst oder Scham liegenlasse. Aus Angst, den Erwartungen nicht gerecht zu werden, aus Scham, weil es jetzt schon weit über der Deadline liegt. Aus Angst, das alles nicht zu schaffen, und daher am besten gleich zu resignieren. In Kombination mit diesem Beitrag kam ich zu dem Schluss, dass das, was mir vielleicht gerade am meisten fehlt, echte Selbstliebe und Selbst-Vergebung ist. Als Gegenpol zur Unterdrückung und Verdrängung von schlechten Gefühlen und Handlungsweisen. 
Und so habe ich mich heute zum ersten Mal seit sehr langer Zeit hingesetzt, und etwas nur für mich geschaffen. 

Filz Ring

aufnähen

Filz Ring

Der Schmetterling besteht aus rotem und gelben Filz. Auf die Flügel habe ich den Körper mit einfachen Stichen aufgenäht, die Flügel habe ich mir einem Knopflochstich umsäumt. Zuletzt habe ich die Fühler mit einfachen Rückstichen aufgestickt und die Flügel mit einigen Knötchenstichen (french knot) verziert. Den Schmetterling habe ich dann auf einem alten Ring angebracht, den ich mal auf dem Flohmarkt gekauft hatte. Es sind zwei Wildleder-Riemen, die durch eine Schlaufe zusammengehalten werden. Er eignete sich perfekt zum Aufnähen meines Schmetterlings. 

Talsiman

Auch wenn er etwas kindlich aussieht, es war eine Genugtuung, diesen Ring für mich selber zu basteln. Eine Art Talisman, der mich an heute erinnern soll. Ein Symbol für Veränderung und Selbst-Akzeptanz. 
Von mir für mich. 

31.03.15

Urlaub

Schon lange war es etwas ruhig hier, und das wird es auch noch etwas bleiben. Arbeit und Krankheit reichten sich in den letzten Wochen die Hand, und jetzt starte ich in den langersehnten Osterurlaub. Am 10.04. werde ich wieder da sein, mit einem Beitrag, über den ich mich jetzt schon freue wie ein kleines Mädchen... :-)

Frohe Ostern!

alles liebe,
frederike

13.03.15

Sir Terry Pratchett - Ein Tribut

Sir Terry Pratchett ist tot. Gestern starb der grandiose Autor im Alter von 66 Jahren.
Seine Bücher habe ich verschlungen, als junger Backfisch, keine Ahnung von nichts, maigrün hinter den Ohren habe ich mich in die Scheibenwelt verliebt. Mein erstes Buch war "Mort", die Geschichte über einen schlacksigen, pickligen Jungen, der bei TOD in die Lehre ging. Seitdem durfte ich Bekanntschaft schließen mit all den liebenswürdigen, schrulligen, eiskalten, genialen, und immer zutiefst menschlichen Figuren aus dem Scheibenwelt-Universum. Ich liebte die Hexen, Nanny Ogg, Oma Wetterwachs, und zu meiner größten Freude machte Pratchett uns vor wenigen Jahren mit der jungen Hexe Tiffany Wee bekannt. 

Roman von der Scheibenwelt
Mein liebster Tiffany Wee Roman

Pratchett war mehr als ein Fantasy-Autor, mehr als ein Geschichtenschreiber. Für mich war er ein großer Humanist, ein Philosoph, ein tiefgründiger Humorist, ein Mensch, der unerschütterlich an das Gute glaubte. Ein klarsichtiger Beobachter und unglaublicher Erzähler. 
Pratchett hat mich mein Leben lang begleitet, er war weise und warmherzig, und, natürlich, unglaublich witzig! Seine Bücher waren voller doppelbödiger Anspielungen, voller Theorien über die Menschen, die Geschichte. Er machte vor nichts halt: Hollywood, Shakespeare, Politik, Krieg, Versicherungsgesellschaften, Kapitalismus... Erst heute kann ich manchen Witz erst so richtig verstehen. Damals liebte ich seinen Humor, heute liebe ich seinen bissigen Scharfsinn. 
Mit ihm geht ein ganz Großer! Ich gestehe, ich habe geweint. Terry Pratchett, Du hast ein Lebenswerk hinterlassen, das Generationen von Backfischen durch ihre maigrünen Jugendjahre bringen wird.


"AT LAST, SIR TERRY, WE MUST WALK TOGETHER.

Terry took Death’s arm and followed him through the doors and on to the 
black desert under the endless night.
The End."
Pratchetts letzter Twitter

02.02.15

Vom Pferd gefallen

Freitag ist Mama-Kind-Tag. Wann immer es mir möglich ist, behalte ich meine Tochter freitags zu Hause, der Papa geht auf Arbeit, und wir beide machen uns einen gemütlichen, entschleunigten, kuschligen Tag zu zweit. Das tut uns beiden sooo gut, und macht so viel Spaß! Eigentlich machen wir nichts anderes außer spielen, kuscheln, singen, und wenn wir dazu keine Lust mehr haben, räumen wir ein bisschen die Wohnung auf, gehen raus, naschen Kekse, oder was auch immer.
Nun liebt meine Tochter ja das Spiel mit dem Wasser. Sobald wir die Küche betreten, wandert ihr Blick Richtung Waschbecken, ob sie nicht mal wieder abwaschen könnte, die Töpfe in der Ecke da sehen so aus, als müssten sie mal... Und gerne ermögliche ich ihr diese Freude, zu plantschen und mir gleichzeitig zu helfen.  


Zum Abwaschen steht sie immer auf ihrem Tischchen. Eine andere Konstruktion haben wir noch nicht erdacht, und es klappt eigentlich auch ganz gut. Eigentlich. Bis auf letzten Freitag.
Kopf voran ist meine Tochter am Freitag vom Tischchen gekippt, schlug mit Stirn und Nase auf die Kacheln, und als ich sie sogleich auf den Arm nahm, lief schon das Blut aus der Nase. Ich war (und bin) erschüttert! Nase gebrochen, schoss mir als erstes durch den Kopf, sie kriegt keine Luft mehr, muss sofort ins Krankenhaus.
Nach etwa einer Minute hörte das Nasenbluten auf, die Nase war nicht geschwollen, wir aßen noch eine Kleinigkeit, und legten uns dann unmittelbar zur Mittagsstunde, ins Ehebett, Seite an Seite. Nach ihren gewöhnlichen zwei Stunden war die Kleine wieder wach, fröhlich wie ehedem, und es war überstanden.
Und jetzt steh ich da, ich armer Tor. Soll ich ihr weiterhin erlauben, auf dem Tischchen zu stehen, ungesichert, und im Becken zu plantschen, das trotzdem noch immer zu hoch für sie ist? Oder soll ich ihr ab sofort verbieten, solcherart gefährliche Dinge zu veranstalten, weil mein Mutterherz es nicht aushält, wenn ihr kleines Näschen blutet? 
Im Ernst, wir hatten Glück! Die Nase hätte wirklich gebrochen sein können, oder ein Arm oder Bein, oder weiß der Kuckuck! Auf der anderen Seite - haben kleine Kinder nicht immer irgendwie Glück? Sie haben einen besonderen Schutzengel, heißt es, und seit meine kleine Schwester als Kleinkind, sie war nicht mal ein Jahr zu dem Zeitpunkt, fast die Treppe runtergestürzt wäre, aber eben nur fast, da glaube ich fest daran!



Sicherheit oder Spass? Sind das wirklich die Pole, zwischen denen ich mich für meine Tochter entscheiden muss? Bis jetzt war ganz kristallklar, dass der Spass, der Lerneifer und die Lust an der Welterkundung meiner Tochter immer gegenüber den Sicherheitsbedürfnissen der Eltern (und Großeltern, wenn wir schonmal dabei sind) vor gehen. Aber jetzt bin ich verunsichert - wo ist die Grenze? Was kann man noch tolerieren, und wann kommt das Jugendamt? Ohne Witz, ich befürchte manchmal, dass irgendwann die Polizei vor der Türe steht, und dann steh ich ganz schön doof da, mit einem Kind, das auch bei 18°C barfuß läuft, das alleine auf Stühle klettern darf, dem wir manchmal zwei Tage lang vergessen, die Zähne zu putzen, und das sich halt mal die Nase blutig schlägt, weil es runtergefallen ist. 
Nachdem sich der erste Schock bei uns beiden gelegt hat, bin ich wieder etwas ruhiger geworden. Ich werde weiterhin an meinen Grundsätzen festhalten. Verletzungen gehören dazu, und alles, was nicht total wahnwitzig oder fahrlässig ist, werde ich ihr auch weiterhin erlauben. Ich möchte nicht die Übermutti sein, die den Freiheitsdrang ihres Kindes erstickt, nur weil sie Angst um ihr Kind hat. 
Okay, keiner will das.  So viele Mütter legen unisono das Gelübde ab, ihrem Kind Freiheiten zu lassen, aber das, was sie unter "freiem Spiel" für ihr Kind verstehen, liegt meilenweit hinter dem, was ich mir an Freiheiten für meine Kinder wünsche. Keiner will sein Kind gefährden, keiner will sein Kind erdrücken. Nur die Auffassung davon, wie viel Freiheit nötig sei, und ab wann die Einengung beginnt, sind eben verschieden. Kann es da überhaupt eine kanonische Definition geben?


Nebenbei: Meine Tochter wollte noch am gleichen Abend wieder aufs Tischchen zum Abwaschen und, ja, ich hab's zugelassen. Es scheint, als hätte meine Tochter eine Tugend schon verinnerlicht: Wer vom Pferde fällt, soll sogleich wieder hinauf!

15.01.15

Selbstversorger Fertigkeiten

Um ein neues Leben zu beginnen, bedarf es reichlicher Planung und Vorbereitung. Neben den "harten" Faktoren wie Geld ansparen, Finanzierungsplan besprechen, Grundstücke suchen, müssen auch die "weichen" Faktoren geplant und entwickelt werden. Für mich bedeutet das, dass ich gewisse Fähigkeiten und handwerkliche Fertigkeiten entwickeln will (und muss). Es gibt so vieles, was ich lernen und wissen möchte, schon immer mal machen wollte, aber nie die Zeit dazu fand. Nun sind diese scheinbar spleenigen Fähigkeiten, diese altmodischen Hobbies, eine notwendige Voraussetzung für unser neues Leben geworden, und das Erlernen derselben edle Pflicht. 

Im Konkreten möchte ich Folgendes lernen:

1. Handwerklich:
* Brot backen
* Milch verarbeiten (Käse, Butter, Joghurt, ...)
* Vegetarische Pasten herstellen
* Seife sieden 
* (Heil-) Kräuter anbauen, sammeln und verarbeiten
* Wolle verarbeiten
* Schaf- und Ziegenhaltung
* Hühnerhaltung

2. Wirtschaftlich
* Ordnung, Wartung und Pflege
* Müll vermeiden
* Recycling, Upcycling, Reparieren
* Saisonale Lebensmittel verarbeiten
* Verschiedene Formen der Haltbarmachung erlernen 
* Was geht, selbst herstellen 

Unter dem neuen Label "Selbstversorgung" sammeln sich ab jetzt alle Fortschritte in diesen Bereichen. 

07.01.15

Schreibepausenende - Neuanfangsbeginn


Willkommen 2015!


Ich habe es mir abgewöhnt, gute Vorsätze für das neue Jahr zu machen. Kaum Mitte Januar hat man die ersten Verstöße gegen die selbstauferlegte Ordnung begangen, im Februar plagt einen das schlechte Gewissen und im März denkt man sich, dass eh alles Schmu war, das Datum des 01.01. willkürlich und keinesfalls Rechtfertigung für Listen mit lebensverändernden Vorsätzen. 

Doch am Montag, also am 05.01., haben mein Mann und ich ein langes, emotionales Gespräch geführt, und am Tag der Heiligen Drei Könige hat sich doch tatsächlich eine Art Vorsatz ergeben. Nicht fürs neue Jahr, sondern für unsere gemeinsame Zukunft. Wir wollen ernst machen! Ernst machen mit dem Loslösen aus unserer Über-Zivilisation, ernst machen mit dem Verzicht auf konventionelle Lebensmittel und andere Güter, ernst machen mit unserem Traum vom Landleben, der Einheit mit der Natur, der stückweiten Autonomie. Wir wollen nicht mehr. Noch sind wir vielleicht nicht unglücklich, aber wenn wir den Weg weiter beschreiten, auf dem wir uns bewegen, werden wir es, das wissen wir.

 Einer hat mal gesagt, Freiheit bekommt man nicht geschenkt, man muss sie sich nehmen. 

Ich liebe meinen Mann und bin ihm so dankbar, dass er mit mir diese Entscheidung getroffen hat. Ja, wir machen ernst. Es soll nicht beim Träumen bleiben. Wir machen uns auf den Weg. 


15.12.14

Trotz? Eine Begriffsbestimmung

Meine Tochter trotzt. Oh, wie ich dieses Wort hasse! Trotz, das ist das naseweiße Aufbegehren gegen eine gottgegebene Ordnung. Trotz, dieses Wort, das den Fokus immer nur auf die verletzte Eitelkeit des Erwachsenen legt, stammt direkt aus der schwarzen Pädagogik. 
Meine Tochter erkennt vielmehr, dass sie einen Willen hat, und ein Recht darauf, diesen Willen durchzusetzen. Ganz richtig beschreibt Jesper Juul die "Trotzphase" als Autonomiephase. Wunderbar, denn ist es nicht unser Ziel, autonome, selbstbewusste Kinder erziehen? Ich bin stolz, dass meine Tochter einen eigenen Willen hat, und ich möchte sie dabei unterstützen, ihren Willen in ein gemeinsames Miteinander zu integrieren.


Meine Tochter testet Grenzen aus. Noch so ein Wort, bei dem sich meine Zehennägel einrollen. Grenzen - brrr.... Wenn man sagt, ein Kind braucht Grenzen, dann ist damit doch meist gemeint, ein Kind muss gehorchen lernen, wenn die Eltern etwas sagen. Nun ist aber Gehorsam das Gegenteil von Autonomie (siehe oben). Einem Kind in der Autonomiephase Gehorsam aufzuzwingen kann nur nach hinten losgehen.
Natürlich ist es so, dass meine Tochter (und vermutlich auch andere Kinder) schaut, wie ich auf ihre Handlungen reagiere. Wie ich reagiere, wenn sei weitermacht, auch wenn ich "Nein" gesagt habe. Sie testet keine Grenzen, sie testet meine Authentizität! Wieder legt die Terminologie den falschen Fokus: Es geht nicht darum, dass sie renitent gegen Grenzen verstößt, um mich herauszufordern. Sie will wissen, wer ich bin, es geht um meine Souveränität! Sie will von mir wissen, ob ich ehrlich und kohärent bin. Ob sie vor mir wirklich Respekt haben sollte, ob sie meine natürlich Autorität anerkennen kann, oder ob ich ein Popanz bin, große Klappe und nichts dahinter.
Ein Beispiel: Meine Tochter sitzt auf ihrem Stühlchen, der Mülleimer für den Plastikmüll unter dem Tisch ist in perfekter Nähe zu ihren Füßchen.
"Boms, dagegen treten. Toll, was für ein lautes Scheppern. Mama lächelt, findet das auch lustig, gut, ich mach noch mal! Boms, boms, lauter, BOMS, BOMS, B-O-M-S!"
Das finde ich nun nichtmehr lustig. Ich schaue meine Tochter an, sage ihr: Ich möchte nichtmehr, dass Du dagegentrittst. Entweder, du hörst auf, oder ich nehm dich vom Stühlchen.
--- BOMS!
Also nehme ich meine Tochter vom Stühlchen, und setz sie auf den Boden. Sie läuft los, holt ihre Puppe und gemeinsam ziehen wir der Puppe das Kleidchen an. So einfach geht das.


Das klappt natürlich nicht immer so gut. Manchmal protestiert sie heftig, wenn ich sie aus der Situation nehme, dir mir nicht gefällt. Und ich muss auch sagen, dass ich nicht immer schnell genug reagiere. Ich neige dazu (wie so viele Mütter-Generationen vor mir, mein Gott, wo kommt diese Unsitte überhaupt her?), sie zwei-, drei-, viermal zu fragen (oder "ermahnen"), bevor ich selbst aktiv werde. Dieses mehrmalige Ermahnen aber ist total kontraproduktiv. Anstelle einer echten Alternative stellt es einen Leerlauf dar, ein Hiatus der Unsicherheit, in dem das Kind nicht weiß, was Sache ist, und ich nicht weiß, wie ich weitermachen soll. Ich habe da sicherlich noch Verbesserungsbedarf. Wenn aber meine Tochter verstanden hat, was ich ihr sage, welche Alternativen sie hat und ich dann sofort und kohärent reagiere, gibt es auch meistens kein Problem.

Meine Tochter will alles selber machen. Von Eltern und Verwandten meist liebevoll belächelt ("Schau mal, wie süß, der kleine Otto zieht sich die Unterhose über den Kopf!"), um sodann von den bemühten Erziehern korrigiert zu werden. Doch es ist mehr als "Ich will das alleine machen". Jesper Juul schenkt auch hier wieder eine neue Perspektive: Das Kind möchte anerkannt werden, als jemand, der einen individuellen Beitrag zur Gemeinschaft leisten kann, durch seine eigene Persönlichkeit. Das drückt sich zunächst dadurch aus, dass es alles das machen will, was auch die "Großen" machen: Abwaschen, die Wäsche aufhängen, Bücher lesen, am PC rumtippen, Schuhe anziehen. Aber im Endeffekt geht es darum, den eigenen Platz im Miteinander zu finden.
Das Wichtigste, was ich dabei machen kann, ist, meine Tochter wirklich zu integrieren und ihre Bemühungen wirklich ernst zu nehmen. Kein "Ich mach das schnell für Dich", kein "pass auf, pass auf, sei ja vorsichtig!", kein: "nein, so macht man das nicht, lass mich das machen". Es klingt so einfach, aber es ist doch so schwer: Nur, wenn ich mein Kind ernst nehme, kann ich auch erwarten, dass mein Kind mich ernst nimmt.



Fazit: Die landläufigen Begriffe über die gefürchtete Trotzphase könnten fehlleitender nicht sein. Eigentlich müsste es so heißen:


Trotz = Autonomie

Grenzen testen = Authentizität testen
Selber machen = Sich in die Gemeinschaft integrieren.

Auch, wenn die "Trotzphase" durch neue Begrifflichkeiten weder schneller noch einfacher verläuft - meine Einstellung ändert sich, und dadurch die Art des Zusammenseins.  

09.12.14

Ordnung, Rhythmus, Struktur - Eine verfrühte Liste mit guten Vorsätzen

Ich war nie sonderlich ordentlich, habe es nie gelernt. Meine gesamte Familie ist mehr der Typ chaotisch-charmant. Liebenswert, ohne Frage, aber strukturiert? Nicht im Geringsten. Schon immer habe ich mich mehr so durchgewurschtelt, ob in der Schule, im Studium, im Umgang mit Behörden. Aber vor allem auch beim Aufräumen.





Bis zu einem gewissen Grad hat ein etwas Chaotie ja ihren Reiz. Kein Mensch mag klinisch-sterile Räume, Leben heißt Dynamik. Doch wie viel davon ist noch auszuhalten? Wie viel Unordnung ist Chaos? Und auf der anderen Seite, wie viel Struktur ist Stillstand?


Mein Mutter-Sein hat mir auch hier mal wieder neue Einsichten geschenkt. Meine Tochter liebt, wie jedes Kind, Rhythmen und Rituale. Nach dem Frühstück gehen wir raus, egal ob in die Kita oder spazieren oder einkaufen - Nach dem Mittagessen geht sie schlafen - Und so weiter, und so fort.


Doch nicht nur Abläufe sind geordnet, auch die Räumlichkeit gehorcht einer gewissen Struktur. Bücher gehören ins Regal - Töpfe gehören ins Fach unter die Schüsseln - Bananen liegen in der Obstschüssel - Das Töpfchen steht im Bad. Ordnung ist hier mehr als Aufgeräumtheit, es ist der Lebensraum selbst, der dadurch überhaupt erst verstehbar wird.




Das Gleiche gilt auch für die Ordnung in meinen vier Wänden. Es heißt, der schönste Schmuck für einen Raum ist Ordung. Warum? Weil wir Menschen Klarheit lieben. Wir brauchen Übersicht, Struktur, Klarheit. Ja, wir brauchen äußere Strukturen, damit die innere Unstrukturiertheit besser zu ertragen ist.
Ich will ehrlich sein: Ich habe das Gefühl, ein Don Quixote des Aufräumens zu sein. Ich räume einen Raum auf, und kaum nutze ich (oder wir) ihn wieder, schwupps, ist er wieder gewohnt chaotisch unordentlich. Ich spüre in mir eine merkwürdige Gleichgültigkeit gegenüber den Dingen, die ich benutze. Es ist mir egal, wo sie liegen, wenn ich sie nicht benutze, und es ist mir insbesondere egal, wenn sie noch rumliegen, wenn ich sie benutzt habe. Daraus folgend ist Ordnung ein sekundärer Prozess, der nachträglich geschaffen werden muss. Die Nutzung von Gegenständen und deren Wegräumen hängen für mich nicht inhärent zusammen. Oder noch krasser ausgedrückt: Die Nutzung der Wohnung und deren Ordnung hängen für mich nicht zusammen. Es ist interessant und beschämend zugleich, mir das einzugestehen.



Ich will versuchen, ordentlicher zu sein. Oder besser: strukturierter, organisierter! Denn irgendwo am Ende der ganzen Gedankenschieberei sagt ein kleines Männchen zu mir: Wie willst Du jemals einen Selbstversorger-Hof wuppen, wenn Du nichtmal Deine kleine Wohnung in Ordnung halten kannst? Und verdammt, das kleine Männchen hat Recht!

Es ist die Notwendigkeit der äußeren Umstände, der natürlichen Rhythmen, denen ich gehorchen lernen will. Tief in mir drin spüre ich, dass es falsch ist, sich ständig durchzumogeln. Dass es nicht richtig ist, wenn man denkt, für mich gelten die Gesetze der anderen nicht (zB Abgabefristen in der Bücherei...!). Ist es nicht gerade dieser Impuls, der mich Marmelade kochen und Socken stricken lässt, der mich alte Handarbeiten wieder entdecken und den Weißkohl einwecken lässt? Es ist der Wunsch, sich der "großen" Ordnung anzupassen. Lebensmittel zubereiten und Kleidung herzustellen, weil wir sie brauchen, und sie eben nicht von der Stange zu kaufen. Schnell, billig, sofort verfügbar eine quick-and-dirty Lösung für unsere essentiellen Bedürfnisse. Wir tun so, als wären wir über all unsere Bedürfnisse, über den Wertstoff-Kreislauf und die Jahreszeiten erhaben. Wir mogeln uns durch! Kein Wunder, dass wir uns irgendwie falsch und unecht anfühlen.


Ich will mich nicht mehr durchmogeln. Und, wie schon gesagt, im Kleinen muss es beginnen...


26.11.14

Adventsgeschäft


Tannenzweige gehören unverbrüchlich zum Advent. Den Adventskranz zu binden ist eine Tradition, die mich mehr als alles andere auf die Weihnachtszeit einstimmt. Die Zweige habe ich immer aus dem eigenen Garten oder dem Garten meiner Familie bekommen. Nun, da meine Eltern und uns mehrere Bundesländer trennen, und der Garten, den wir seit diesem Herbst übernehmen durften, kein Nadelgehölz birgt, habe ich meine Tannenzweige heute auf dem Wochenmarkt besorgt. 






Die Blumenhändlerin, eine unheimlich sympathische Frau, kommt leicht mit ihren Kunden ins Gespräch, und so hatten auch wir ein kleines Schwätzchen über das How-To des Adventskränzebindens. Als es ans Bezahlen ging, hatte die Gärtnerin vergessen, dass ich zwei Bündel jener Zweige gekauft hatte, und begann, ihre Rechnung mit nur einem anzufangen. Ich sagte ihr, dass ich zwei genommen hätte. Sie hielt kurz inne, lachte mich an und meinte, das sei jetzt sehr ehrlich von mir gewesen. 
Ich antwortete (sinngemäß), dass ich ganz bewusst meine Waren auf dem Markt kaufe, um die einzelnen Verkäufer zu unterstützen. Da werde ich nicht anfangen, die Blumenfrau um drei Euro für Zweige zu behumpsen - erst Recht nicht, wenn ich davon einen Adventskranz binden will, ein Symbol, das uns auf die Ankunft Christi vorbereiten soll. 





Nach Hause gefahren bin ich mit dem guten Gefühl, das Richtige getan zu haben. 


21.11.14

Novembermorgen

Raus aus dem Haus, raus aus der Komfort-Zone. Durch Zufall entdeckte ich diesen Post bei Lena von zauberflink, und neben ihren wunder- wunderschönen waldorf-inspirierten Puppen fanden sich da diese beiden Sätze:

1. Häufiger etwas Neues ausprobieren und die eigene Komfort-Zone verlassen und
2. Den Kindern räumlich und zeitlich unbegrenztes Spiel in der Natur ermöglichen


Das hat nachgeklungen in mir. Manchmal finden sich die besten Inspirationen ganz zufällig (oder doch nicht zufällig?). Ich gebe zu, meine Komfort-Zone beschränkt sich zur Zeit auf die Küche, mein Nähtischchen, vielleicht noch der Garten. Der Spielplatz gehört seit dem ersten Bodenfrost nicht mehr dazu. Wie schade! Meine Tochter ist, wie meine Mutter es mal so schön ausdrückte, ein richtiges Outdoor-Baby. Nach dem Frühstück drückt sie mir ihre Stiefel in die Hand und möchte am liebsten sofort raus. Sie liebt ihre Kita, und ich freue mich an ihrer Freude, jeden Morgen den Weg dorthin mit mir zu beschreiten. Nun war sie die ganze Woche über krank. Wohin sollte uns der allmorgendliche Ausflug führen?


Also kochte ich mir warmen Tee, packte mich und mein Kind warm ein und spazierte eines schönen Novembermorgens zu dem menschenverlassenen Kinderspielplatz an der Ecke. 


Nass, kalt, grau, und doch genau das, was wir gerade brauchte. Auch wenn meiner Tochter ihre eingeschränkte Bewegungsfreiheit qua Winterstiefel und Schneeanzug nicht gefielen, das Spiel im nassen Sand umso mehr. Auch aus klammkalten Sand lassen sich Birnen, Eiskugeln und Seesterne formen. Ein leise Erinnerung an den letzten Sommer huschte kurz vorbei, um sich im taubenetzen Spinnweb zu verlieren. 


Der Morgen war ruhig, die Luft frisch, und überall sah man noch die letzten Boten des vergangenen Herbst. Nein, keine Boten des Vergangenen! Rosen im Rauhreif, Himbeeren, erkaltet vor der Reife, die Einheit aus Blühen und Vergehen, das ist der späte Herbst.



Das hat uns gut getan. Zu Hause angekommen, im Komfort der eigenen vier Wände, im Fluss der täglichen Aufgaben, ist es gut zu wissen, wie leicht es ist, einfach los zu gehen. 

18.11.14

Konsequenz

Die Feste feiern, wie sie fallen! Ich bin ein Mensch, der es nimmt, wie es kommt, der sich keine großen Gedanken um das Später macht, allerhöchstens, um in naher Zukunft ein wunderbares Jetzt daraus zu machen. Ein bisschen Anarchie, viel verklärter Optimismus und - ich gebe es zu - einiges an Durchmogelei haben meinen Lebensweg bis jetzt bestimmt. Bis jetzt. Bis ich Mutter wurde. Als meine Kleine quasi noch ein Fötus war, habe ich Bücher über Erziehung gelesen, Juul, Dreikurs, Neill, die Klassiker eben. Und alles hat Sinn gemacht, und ich dachte, hey, das wird doch ein Klacks! Bestimmt aber freundlich - kein Problem. Logische Folgen anwenden - bingo. Gleichwürdigkeit - so wie so.



Meine Tochter ist jetzt anderthalb, und ich befürchte fast, wir haben das Trotzalter erreicht... ich korrigiere, die Autonomiephase. Mein Kind soll autonom aufwachsen, keine Frage, es soll sich und seine Bedürfnisse ernst nehmen und sie vertreten können. Sie soll nicht nach meiner Pfeife oder um meine Befindlichkeiten herumtanzen. Und doch merke ich gerade, wie mir die Sache entgleitet.


Sie ist sehr anhänglich und quengelig, und gerät schnell außer sich, wenn ich ihr nicht die Aufmerksamkeit schenke, die sie sich gerade wünscht. Eines meiner Credos in punkto Erziehung ist: Das Kind ist ein emotionaler Seismograph! Wenn mein Kind also quengelig ist und es mein Nein nicht akzeptiert, dann hat das definitiv etwas mit meiner Qualität zu tun, Dinge klar und deutlich zu formulieren. Wenn ich sage: "Jetzt nicht", aber keine zwei Wimpernschläge später mit einem halben Auge zu ihr rüberschiele, ob der Becher Milch auch nicht umkippt, nur um in bester Mutti-kann-alles-Multitasking-Manier den Becher abzufangen, dann ist das nicht sehr konsequent. "Nicht jetzt" müsste doch heißen: "Mich interessiert es auch nicht, wenn Du Dich mit Milch begießt"... oder? Was soll das Kind denn daraus lernen, wenn ich ihr mit Worten sage, ich bin jetzt mit etwas anderem beschäftigt, aber ihr mit meinen Taten zu verstehen gebe, dass meine Augen überall sind, insbesondere bei ihr? Und warum um alles in der Welt interessiert es mich eigentlich, wenn sie sich mit Milch begießt? Waschen kann ich doch wirklich später...


Ich gebe zu, ich bin etwas überfordert. Ja, mit so simplen Dingen wie Kochen und gleichzeitig auf mein Kind aufzupassen. Wann ist Ignorieren angebracht, wann ist es einfach nur kaltschnäuzig? Wann kann ich meinen Willen auf Kosten des ihren durchsetzen (Wickeln!), und wann sollte ich ihr den ihren lassen?


Es heißt, sobald eine Partei unglücklich ist im Familienleben, ist etwas in der Schieflage. Nun, das mag gerade durchaus der Fall sein. Ich muss viel lernen. Mein Kind hält mir den Spiegel vor und zeigt mir die Dinge, die ich an mir selbst nicht mag. Dafür bin ich im Grunde sehr dankbar. Denn das bedeutet, dass ich von ihr lernen kann, mich selbst zu verändern.

11.11.14

Neuer Werdegang

Ich bin eine bekennende (wenn auch kritische) Waldorfmama. Ich liebe die friedliche Atmosphäre, die Feste und Feierlichkeiten. Ich habe viel von dem Waldorfalltag mitbekommen, als meine kleinen Geschwister in eine Waldorfschule eingeschult wurden. Für mich ist die Waldorfbewegung die vielversprechenste, hoffnungsvollste Alternative zu unserer modernen, "ver-wissenschaftlichten" Welt.




So habe ich mich denn vor einigen Jahren dazu entschieden, eine Ausbildung zur Waldorf-Klassenlehrerin zu machen (die ich noch beenden muss.) Ich arbeite zur Zeit an der Universität, und auch wenn das Leben auf dem Campus wirklich gütig ist - die wissenschaftliche Arbeit alleine genügt mir nicht. Ich habe schon immer den Kontakt zu anderen, vor allem jungen Menschen gesucht. Ich bin Philosophin von Hause aus, und das Philosophieren mit Kindern ist für mich das Schönste auf der Welt.




Nun, ich habe mich vor ein paar Wochen für zwei freie Stellen zur Klassenlehrerin im Großraum Stuttgart beworben. Heute habe ich erfahren, dass die eine Stelle schon besetzt ist, und bei der anderen mache ich mir auch keine großen Hoffnungen. Traurig, sicher, das bin ich sehr. Aber nicht entmutigt. Ich habe mich entschlossen, mein Leben zu ändern, alles zu ändern, was mich aufhält, und dorthin zu streben, wo ich mich zu Hause fühle.



10.11.14

Zwischengeflecht

Was ich leben möchte ist eine Art progressive Weltflucht: Flucht vor dem Alten, vor unfrei machenden Strukturen, Flucht vor dem "Anderen", "Unechten", was ich nicht benennen kann, aber was mir entgegenschlägt sobald ich ins Kino gehe, den Supermarkt betrete, im Wald dem Autobahn-lärm nicht entfliehen kann. Flucht hin zu dem Neuen, dem Freien, Authentischen, was ich auch nicht benennen kann, aber was ich mitunter fühle in Momenten der Ruhe.
Ich weiß, ich bin nicht allein mit diesem Wunsch, und ich weiß, dass es irgendwie möglich ist, ein Leben in Annährung an dieses Neue zu führen. Aber ganz wird man sich nicht entziehen können, immerhin bin ich Teil dieser Gesellschaft. Und, machen wir uns nichts vor, ich bin sehr froh über alle positiven Errungenschaften der modernen Welt. Ich will weder auf Krankenhäuser noch Abflusssysteme verzichten, nicht auf Heizungen, nicht auf das Radio und auch nicht auf die Lohnsteuer. Und wir können auf die Politiker schimpfen wie wir wollen, Demokratie ist eine ziemlich gute Staatsform. Aber geht nicht beides? Muss unsere moderne Welt automatisch mit Unfreiheit und Ich-Verlust einhergehen? Gibt es nicht etwas dazwischen?
Ich stelle mir die Erde als ein riesiges buntes Geflecht vor, aus tausenden von Fäden, und jeder Lebensweg ist ein Faden. Manche Fäden sind tief am Boden, stark verknüpft mit all den Selbsterhaltungsmechanismen unseres Systems. Diese Fäden laufen von der Massentierhaltung zur Automobilindustrie, hinüber zum TV nebst Tabak- und Alkohollobby. Ach, so viele Menschen leben genau das Leben, das gebraucht wird!
Und dann gibt es Fäden, die sich von den Eckpfeilern lösen, die ihre Windungen um andere Haken schlagen. Sie suchen Alternativen, schaffen welche und vollbringen kleine Wunder. Ich frage mich: Kann ich meinen Faden fort spannen? So frei und subsistent wie möglich, mit minimalen Berührungspunkten an die tiefen Strukturpfeiler? Kann ich im Geflecht der Lebensfäden irgendwo "dazwischen" sein?

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